Wer kennt ihn nicht, den schönen Poesiealbum-Vers vom bescheidenen Veilchen:
Sei wie das Veilchen im Moose,
sittsam, bescheiden und rein
und nicht wie die stolze Rose,
die stets nur bewundert will sein.
Im Vergleich zur Einblättrigen Weichwurz muss unser bescheidenes Veilchen freilich als aufgedonnerte Diva bezeichnet werden, womit über diese Orchidee eigentlich schon alles gesagt ist: man übersieht sie einfach, klein wie sie ist und grün wie sie blüht. Man stolpert im allgemeinen auch nicht darüber, weil sie A) dem Fuß keinen Widerstand bietet und sich B) eh kaum ein Fuß zu ihren Standorten verläuft – staunassen Arealen an schattigen Wegen und feuchten Straßenböschungen. Mein Exemplar wuchs übrigens auf einem schwammartig nassen alpinen Flachdach zwischen Gras, Flechten, Moosen und prächtigen Breitblättrigen Fingerwurzen, die mich von Weitem angelockt und zur Besteigung der Bedachung (Kletter-Schwierigkeitsgrad: 1-) bewogen hatten.
http://www.fotocommunity.de/pc/pc/display/21846624
Wir sollten uns alle dafür einsetzen, dieses Pflänzlein zur “Orchidee des Jahres” zu küren! (Und wenn es diesen Titel schon besitzt, dann eben noch einmal und erst recht! Gerade als Bamberger, die eben ihr Basketball-Double verteidigt haben …)
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Nebenstehendes Prachtexemplar einer Rotbraunen Stendelwurz ist mir schon vor drei Wochen vors Objektiv gelaufen – reichlich früh im Jahr, kann man Vertreter dieser Art doch bis in den August hinein auf hellen trockenen Waldstandorten antreffen. In den Alpen klettert die Orchidee auch leicht einmal bis auf 2400 m. Für unsere Anglisten: Ins Englische übersetzt man ihren Namen mit „dark red“ bzw. „royal helleborine“. Zu ihrer deutschen Bezeichnung kam die Stendelwurz nicht ganz zufällig, wie bei Grimmelshausen im zweiten Teil des Wunderbarlichen Vogel-Nests nachzulesen ist, wo der Protagonist, selber von seiner sexuellen Potenz überrascht, darüber nachdenkt, ob ihm sein Apotheker eventuell heimlich eine Prise Satyrion verabreicht haben könnte. Unter den Kräuterhexen bzw. Apothekern der Zeit war die Stendelwurz (aufgrund der Form ihrer Wurzelknollen) ein heißer Kandidat für die Rohstoffbasis jenes berüchtigten Aphrodisiakums. So schreibt Hieronymus Bock, dass die Mannsleute diese Wurzel tapfer „in der speiß brauchen oder Latwergen darauß lassen machen“ sollten, um die menschliche Gattung „zu erhalten vnd zu mehren“.
Dessen ungeachtet rate ich dringend davon ab, Bocks Ratschlag auch noch heutzutage zu folgen: Scheint doch einerseits der Fortbestand unserer Spezies nicht akut gefährdet und stehen andererseits die Stendelwurzen unter strengem Naturschutz!
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Wächst in Lichtzonen von Wäldern (Buchen, Kiefern) auf kalkreichem Grund. Das unterirdische Rhizom treibt bis zu 75 cm hohe Sprosse, die bis über 20, meist rosa-violett gefärbte unverwechselbare Blüten tragen können. In Mittel- und Süddeutschland weit verbreitet, dennoch hierzulande nicht ganz leicht zu finden. Recht häufig dagegen im Raum der nördlichen Kalkalpen. (Blütezeit: Juni/Juli.)
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Diese schöne Orchidee (Foto vom Isarufer nördlich des Kochelsees, Pfingsten) wurde nach dem Tübinger Medizinprofessor Leonhard Fuchs (1501-1566) benannt, der sich als Verfasser vieler medizinischer Werke und Kräuterbücher einen Namen gemacht hatte. Sie wächst auf feuchten wie trockenen Wiesen, an lichten Waldhängen, in aufgelassenen Steinbrüchen und sogar an Straßenrändern, kommt also ziemlich gut mit den vielfältigen Standortbedingungen einer modernen Kulturlandschaft zurecht und ist entsprechend weit verbreitet. Die schlanke, aber kräftige Pflanze kann unter optimalen Umständen bis zu 90 cm Höhe erreichen. Ihre oberen, am Stängel ansitzenden Laubblätter, die den Blütenstand nicht erreichen, besitzen eine lanzettliche Form und sind meist kräftig schwarz gefleckt. Typisch für die Dactylorhiza fuchsii sind ihre farblich sehr variablen weißen bis rosafarbenen Blüten mit zart gezeichneten Lippen (Schleifen-, Strich- oder Tigermuster). Der Sporn ist zylindrisch ausgeprägt, schief abwärts gerichtet und etwas kürzer als der Fruchtknoten; die Lippe tief dreilappig, ihr Mittellappen dabei weit vorgestreckt. Unteres Laubblatt zungenförmig und stumpf.
Zu Leonhart Fuchs, dem „Vater der Pflanzenkunde“ und einem Hauptvertreter des Neo-Galenismus:
http://de.wikipedia.org/wiki/Leonhart_Fuchs
PS.: Und wer war „Galenos“? http://de.wikipedia.org/wiki/Galenos
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Endlich haben wir nach längerer Suche – obwohl diese Orchidee laut Fachliteratur gar nicht so selten ist – auch einmal eine Bienen-Ragwurz in der nördlichen Fränkischen Schweiz entdecken können. Die schöne Blüte mit den rosa Sepalen (die bei Varianten auch ins Purpurne spielen können) und der fein gezeichneten, dreilappigen mit kurzen behaarten Höckern bestückten Lippe ist unverkennbar. An einem bis zu 35 cm hohen Blütenstängel können bis zu 9 Blüten sitzen, wobei sich vielblütige Pflanzen bei der Entwicklung ihrer Samenkapseln leicht überfordern, so dass sie absterben. Die Bienen-Ragwurz wächst auf trocken-warmen Kalkmagerrasen, vorzüglich in Baden-Württemberg und Thüringen; derzeit besteht keine akute Gefährdung, sogar eine gewisse Ausbreitungstendenz nach Norden. (Damit haben wir von den heimischen Ophrys-Arten bislang alle außer der Hummel-Ragwurz in freier Natur auffinden können …)
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Eigentlich auf der Suche nach dem Roten Waldvögelein an den Mainhängen um Karlstadt, sind wir über diese Spitzorchis gestolpert – was uns dann freilich auch zufrieden gestellt hat. Schließlich kommt diese im Normalfall 20-40 cm hohe Orchideenart in Franken recht selten vor. Ihr Blütenstand zeichnet sich beim Aufblühen durch einen kegelförmigen Umriss aus, später nimmt er eine eiförmige Gestalt an. Ihre kleinen, dicht stehenden Blüten sind in der Regel rosa bis dunkelrot, gelegentlich aber auch weiß. Charakteristisch für diese Orchideenblüte ist die Gestalt der dreilappigen Lippe, deren Mittellappen einen Tick länger ist, ansonsten aber den Seitenlappen sehr ähnelt. Der Sporn ist lang und dünn, fadenförmig, am Ende zugespitzt. Die Pflanze liebt trockene Magerrasen auf Kalk und lichte Wälder.
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In den Buchenwäldern der Fränkischen Schweiz blüht derzeit diese filigrane Wildorchidee, deren zylindrischer Blütenstand relativ locker mit grünlich-weißen Einzelblüten besetzt ist, die man an ihrem sehr langen Sporn erkennen kann. Die Lippe dieser Orchidee ist zungenförmig ausgebildet, 9-18 mm lang, abwärts oder rückwärts gebogen und zum Ende hin intensiver grün gefärbt. Typisch für diese Platanthera-Art sind die schräg stehenden Staubbeutelfächer, deren Abstand sich nach unten vergrößert. Deutlich seltener ist bei uns die Zweiblättrige oder Weiße Waldhyazinthe (P. bifolia) zu finden, die Orchidee des Jahres 2011, deren Pollinien dichter beieinander liegen und parallel verlaufen
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