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Artikel getaggt mit ‘Quartier an der Stadtmauer’

Einkaufs-Center und innerstädtische Ladenmieten, Sachverhalte und Perspektiven

Vergangene Woche berichtete ein kleiner Artikel im Handelsblatt von einer Studie, wonach Citycenter über 15.000 qm Fläche in der Regel zu positiven Effekten hinsichtlich der Ladenmieten in ihrer Nähe führen, also ihre Nachbarschaft aufwerten würden. Das klingt gut. Nicht gesagt wurde dabei allerdings, dass neu errichtete Einkaufscenter oft die Boden- und Mietpreisstrukutr einer Stadt fundamental verändern,  und zwar in einer nicht vorhersehbaren Art und Weise. Konkret: Center verändern die Laufwege der Menschen und frühere 1A-Lagen sinken in der Folge sehr schnell zu 1B- und C-Lagen herab, wenn sie nicht in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Eingängen derartiger Passagen liegen. (Und bei problematischer Verkehrssituation können sich selbst solche Eingangszonen als Problemlagen darstellen.)

Meine Kritik an den Planungen zum „Quartier an der Stadtmauer“ war von Anfang an keine (oder jedenfalls nicht in erster Linie eine) konservatorische oder stadtpflegerische wie die vieler KollegInnen, sondern eine stadtplanerische. Ich rege an, das „Quartier“ konform zum städtebaulichen Kontext der Bamberger Innenstadt und zur gegebenen Verkehrssituation als reizvolles Bauensemble mit gemischter Nutzung (Wohnen, Gastronomie, kleinere Läden) und gerne auch architektonisch supermodernen Akzenten zwischen sanierten Baudenkmälern zu entwickeln. So hätte es wahrscheinlich eine sicherere ökonomische Zukunft, als bei den derzeitigen Planungen, die viele entscheidenden Fragen (Erreichbarkeit für Kunden, ungelöstes Parkraumproblem, erwartbare Bauschäden an benachbarten Häusern, Geruchs- und Lärmbelästigung der eingeplanten Wohnungen durch den notwendigen Zuliefererverkehr, Störung des Stadtgefüges (Mietpreise, Leerstände in anderen Bereichen), insbesondere auch des innerstädtischen Verkehrsflusses durch Sperrung der Langen Straße für den Individualverkehr, um dem Center einen attraktiveren Zugang zu verschaffen) nur nach dem Prinzip Hoffnung beantworten. Und die alten Anrainer auch.

Auf ein Einkaufscenter bräuchte Bamberg deshalb nicht grundsätzlich zu verzichten; aber man sollte es dorthin bauen, wo Platz ist (z.B. auf Flächen von Industrie- oder Militärbrachen) für eine moderne, großzügige und funktional stimmige Planung, wo Parkplätze eingerichtet werden können und eine gute Verkehrsanbindung sicher gestellt ist. Also eben nicht in die Altstadt, sondern in ein Stadtviertel, das durch ein solches Center (eine architektonisch ansprechende Ausführung natürlich vorausgesetzt, ein „Billigheimer“ à la Atrium wird nirgends funktionieren) tatsächlich aufgewertet würde.

Oder so?

Neues Center in Strullendorf?

Ach ja (seufz!), das wäre wirklich zu schön. In solch einem Laden, glaube ich, könnten sich sogar unsere Freunde aus Quakenbrück einen Fan-Artikel-Shop ihrer Dragons vorstellen … Aber das Ding soll ja jetzt in Strullendorf gebaut werden.

Wie könnten Einkaufszentren aussehen …

29. Juni 2011 1 Kommentar

… wenn man sie nicht in eine kleine Baugrube quetscht, sich einen vernünftigen Architekten leistet und ein bißchen Fantasie investiert? (Ist doch ein Tick schicker als unser Atrium, oder?)

Nochmal zum geplanten Sparkassen-Basar

Moderne Fassadenarchitektur, nicht mickrig

Ich kann das Interesse der Sparkasse ja nachvollziehen, aus ihrem Immobilienbesitz eine ordentliche Rendite herauszuschlagen, aber müssen sich Stadtrat und Bürgerschaft dieses Interesse unbedingt zu eigen machen? Und was kann am Ende bestenfalls dabei herauskommen? Ich fürchte nichts Halbes und nichts Ganzes, ein Citycenter halt, uncharmant und mickrig wie in tausend anderen kleinen Städtchen auch, zu klobig für die putzige Bamberger Dachlandschaft, zu mickrig, um irgend jemanden von außerhalb auch nur die Bohne zu interessieren. (Heute las ich in einem Leserbrief im Fränkischen Tag – ohne jedes Ironiesignal, oder ist mir was entgangen? – die lustige Prognose, unsere zukünftigen Touristen würden bei Regenwetter dort Zuflucht suchen und dann furchtbar viel Geld ausgeben …)

PS. Warum baut man eigentlich nicht mal „was Gscheites“ in den Bamberger Osten, Norden, Süden oder Westen, wo die Verkehrs- und Parksituation günstiger ist, keine alte Bausubstanz (die momentan ja wirklich vor sich hingammelt, aus der man aber was machen könnte, wie man in den letzten Jahren aus so vielen alten Bamberger Burgen was Großartiges geschaffen hat!) geopfert werden muss und auch noch die Chance besteht, ganze Stadtteile auf- statt abzuwerten.

Bamberg: Quartier (im Volksmund: Geschwür) an der Stadtmauer

10. Juni 2011 1 Kommentar

Eine Interessengruppe aus Sparkasse, großen Teilen des Stadtrats und Investoren betreibt – derzeit von der Bamberger Öffentlichkeit noch relativ unbeachtet – den Bau eines Einkaufcenters zwischen ZOB und Langer Strasse. Dieses Projekt wird Stadtbild und Stadtstruktur erheblich verändern, obwohl die Betreiberkoalition (im Zusammenspiel mit der örtlichen Presse) genau diesem Umstand entgegenzuwirken bemüht ist.

Meine persönliche Hauptsorge gilt dabei dem Umstand, dass solche Center-Anlagen in vielen Fällen mittel- bis langfristig zu einer Verödung von Innenstädten durch Geschäfts-Leerstände bzw. Degradierung der Qualität führen: Wie in vielen Fällen erlebt, ziehen die hochwertigeren Geschäfte der Innenstadt und speziell auch die Filialen großer Ketten ins neue „Center“ ein und hinterlassen an ihren alten Standorten bestenfalls Handy-Länden, Billig-Bäckereien und 1-Euro-Shops, oft aber auch einfach nur Leerstände. Was eine solche Entwicklung für den Charme und die Attraktivität einer Touristenstadt wie Bamberg bedeuten würde, mag man sich gar nicht ausmalen. (Dass damit der Besitz alteingesessener Immobilien-Eigner entwertet wird, versteht sich, interessiert aber weder Sparkasse, Bürgermeister noch auswärtige Investoren.)

Dazu kommt als zweiter höchst bedenklicher Aspekt die fehlende Parkraum- und Verkehrskonzeption zur Flankierung des Projekts; im Zusammenspiel mit dem entstehenden neuen Einkaufscenter in Bischberg und dem geplanten Ausbau des Ertl-Zentrums im Gewerbegebiet Laubanger (hier ist meines Wissens eine Verdreifachung der Fläche angedacht) stellt dieses Planungsdefizit auch den wirtschaftlichen Erfolg (für die beteiligten Geschäfte, natürlich nicht für die Projektbetreiber) der Unternehmung in Frage. Dass man dabei den Weltkulturerbe-Status der Stadt verspielen könnte, mag ich mir gar nicht vorstellen!

Ein letzter Hinweis: Die komischen Experimente mit dem Verkehrsverbot in der Langen Strasse, welche den ohnehin problematischen Stadtverkehr (an normalen Tagen, die Experimente hat man ja stets an Wochenenden durchgeführt) völlig lahm legen würden und eben keinen „Boulevard“ entstehen ließen, wie man uns erzählt, sondern eine ziemlich verödete und hässliche Innenstadt-Randstraße, auf der Rennradfahrer die Fußgänger von der Straße scheuchen, sind auch im Rahmen dieses Center-Projekts zu sehen: Die Betreiber würden ihren Mietern nur zu gerne eine City-Passage zwischen zwei Fußläufigkeiten anbieten können; wie die Bürger damit zurecht kommen sollen, ist ihnen wie der Mehrheit unserer Stadträte – wie eigentlich immer – ziemlich egal.

Vgl. zu diesem Projekt ausführlicher die Stellungnahme der Heimatpfleger und historischen Vereine:

http://www.hv-bamberg.de/index.php?cat=30_F-uuml~rstbistum&page=14_Quartier-Stellungnahme#stellungnahme

(Im gleichen Dokument auch eine einschlägige Presseschau.)

Die Art, wie man dieses Projekt vorantreibt, erinnert mich an „Stuttgart 21“, zur Verfahrensweise folgende Stellungnahme:

http://gal.bamberg.de/index.php?id=1560&tx_ttnews[tt_news]=179&cHash=d724d2191f7fc3d554d610ad1cd40654

Die Position der Befürworter:

http://www.infranken.de/nachrichten/lokales/bamberg/Bambergs-unsterbliche-Passagen-Plaene;art212,145275

Zu den Verkehrssperrungsexperimenten der Langen Straße:

http://www.infranken.de/nachrichten/lokales/bamberg/Lange-Strasse-Sperrung-Bamberg-Innenstadt-Verkehr-Der-Testlauf-beginnt-im-Februar;art212,126754

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