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Schwaben/Schwäbinnen aufgemerkt! Lasst Euch dieses Projekt nicht durch die Lappen gehen!
Ich lese gerade eine hymnische Besprechung von Heinrich Steinfests Krimi “Wo die Löwen weinen” (Die ZEIT, 3.3.2011, S. 49); Thema: u.a. Stuttgart 21! Da ich Steinfest als Verfasser von literarischen Romanen, die sehr innovativ mit dem Krimi-Schema umgehen (darin irgendwie Wolf Haas vergleichbar), ästhetisch ausgesprochen ernst nehme, glaube ich – ohne diesen neuesten Roman schon zu kennen – sagen zu dürfen, dass hier mit großer Wahrscheinlichkeit ein lohnenswerter Gegenstand für eine Abschlussarbeit zu finden ist (Größenordnung: eher Diplom/Master als Bachelor!). Auf alle Fälle eine spannende Ferienlektüre. (Ein Motiv: Wutbürger!)
Biosprit (4): E10 offenbar ein Problem für alle Autos
Dass der vorgebliche „Bio“-Kraftstoff (der bekanntlich wesentlich mehr ökologische Probleme verursacht als löst) prinzipiell schädlich für Automotoren sein könnte, befürchtet der Leiter der Mechanikentwicklung bei BMW, Thomas Brüner. Durch den hohen Ethanolanteil von zehn Prozent im Benzin nehme die Wassermenge im Motor zu; diese kondensiere dann aus den Verbrennungsgasen und gelange ins Öl, das dadurch verdünnt wird und schneller altert. Das bedeute wiederum kürzere Ölwechselintervalle zulasten des Kunden, für einen Sechszylinder stünden zum Beispiel jedes Mal Kosten von gut 200 Euro an.
Politiker wie Bundesumweltminister Norbert Röttgen demonstrieren derweilen ihre (schon aus der Hochschulpolitik zum Überdruss bekannte) ideologisch-dümmliche Erfahrungsresistenz bzw. Unwilligkeit, komplex zu denken und neue Informationen zu berücksichtigen, solange nicht unmittelbar und konkret Machtverlust droht: “Die Einführung von Biokraftstoffen dient dazu, unsere Abhängigkeit vom Öl zu reduzieren. Darüber gibt es einen Konsens über die Parteigrenzen hinweg”, sagte er der “Bild am Sonntag”.
Nachtrag vom 7.3.: Inzwischen ist diese Meinung auch öffentlich zu lesen:
(Bei dieser Gelegenheit sei noch angemerkt, dass ich es immer wieder peinlich finde, wenn Regierungspolitiker ausgerechnet die Bildzeitung als Amtsblatt zur Verlautbarung ihrer Meinungen und Beschlüsse benutzen.)
http://www.tagesschau.de/wirtschaft/biospritohneabnehmer112.html
Biosprit (3): Kommentare zur aktuellen Lage und ein Blick auf die sog. Energiesparlampe
http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/eu-gibt-e10-sprit-kritikern-rueckenwind/3916210.html
Einige Auszüge aus diesem Artikel (Hervorhebungen von mir):
Die EU-Kommission hat am Freitag klargestellt, dass es keine Verpflichtung zur Einführung des Biosprits E10 in Europa gibt. Es sei alleine die Entscheidung der Bundesregierung, ob sie Pkw-Benzin mit einem Ethanol-Anteil von zehn Prozent einführe oder nicht, sagte Kommissionssprecher Joe Hennon. […] Kritikern des neuen Sprits dürfte die EU-Ansage sehr gelegen kommen.„Dieser klimapolitische Unsinn hilft der Umwelt nicht und bestraft den Bürger. E10 wieder abzuschaffen wäre die effektivste Klimapolitik für Mensch, Fahrzeug und Umwelt”, sagte Markus Ferber, Vorsitzender der CSU-Gruppe im EU-Parlament […]. Kritisch äußerte sich auch der CDU-Energieexperte im Europäischen Parlament, Herbert Reul. „Der Einsatz von E10 war überstürzt und ist falsch verstandener Klimaschutz auf dem Rücken der Autofahrer“, sagte Reul der Zeitung. „Je eher E10 von den Tankstellen verschwindet, desto besser.“ Auch Holger Krahmer, umweltpolitischer Sprecher der FDP im Europäischen Parlament, ist überzeigt, dass die Einführung von Biosprit „von Anfang an schlecht durchdacht“ gewesen sei. „In den letzten Jahren wurden unter dem Stichwort Klimaschutz eine Reihe von Gesetzen verabschiedet, ohne Folgen und Kosten vernünftig abzuwägen. Das rächt sich jetzt beim Biosprit“, sagte er. So werde durch E10 kein Gramm Kohlendioxid weniger ausgestoßen. Vielmehr steige der Kraftstoffverbrauch und im schlimmsten Fall werde „Tank gegen Teller“ ausgespielt. „Es war voreilig der EU-Richtlinie über Biokraftstoffe zuzustimmen“, betonte der FDP-Politiker. Energie-Kommissar Günther Oettinger (CDU) müsse die Richtlinie „überprüfen und am besten abschaffen“. […]Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) sieht die Spritspar-Strategie der Bundesregierung als gescheitert an. Die Strategie, mehr Klimaschutz durch das Angebot einer zunehmenden Menge an Bioethanol oder anderen Agrar-Kraftstoffen durchzusetzen, werde nicht aufgehen, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger am Freitag in Berlin. Es sei daher richtig, „die überstürzte und schlecht kommunizierte Einführung“ der neuen Benzinsorte E10 zu stoppen. Die propagierten Vorteile des Sprits aus Weizen, Mais, Zuckerrüben und Zuckerrohr relativierten sich schnell, wenn sämtliche „Kollateralschäden“ berücksichtigt würden, sagte Weiger. „Dazu gehören Umweltschäden durch die industrielle Agrarproduktion von Energiepflanzen, die Verdrängung des Pflanzenanbaus für die Ernährung, eine wachsende Flächenkonkurrenz und steigende Lebensmittelpreise.
Einschlägige Karikaturen:
PS.: Zur miesen Klimapolitik unserer Parteien bzw. der EU-Bürokratie gehört übrigens auch die zwangsweise Einführung so genannter „Energiesparlampen“ auf allen möglichen Anwendungsfeldern; zu diesem weiteren Anlass für begründetes “Wutbürger-Verhalten” vielleicht bei Gelegenheit einmal mehr!
Folgender älterer Artikel zur ersten Einführung in die Problematik:
http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/energiesparlampen-in-der-kritik/1567422.html
Biosprit – eines von vielen Beispielen für schlechte Politik
Dass immer mehr friedliche Zeitgenossen zu “Wutbürgern” mutieren, hat seinen Grund meiner Meinung nach in extrem vielen Beispielen miserabler (unzweckmäßiger, ungerechter, nicht auf ihre komplexen Folgewirkungen hin durchdachter, einfach im schlichtesten Sinne dummer) Politik. Diese Feststellung richtet sich nicht gegen bestimmte Parteien, sondern betrifft praktisch alle politischen Gruppierungen, die irgendwo an die Macht kommen und dann konsequent Geld verjubeln, indem sie ihre Spezis bedienen, sich protzige “Denkmäler” setzen, ihren Ideologien frönen. Nach der verantwortungslosen Hochschulreform des sog. Bologna-Prozesses, einer ebenso bürokratisch-verrückten wie ungerechten Steuerpolitik (nein, das Hotel-Geschenk ist noch nicht vergessen!), der nicht funktionierenden Finanzaufsicht, den ständigen Katastrophen der Gesundheits- und Verkehrspolitik (Mautsystem, Stuttgart 21, Nicht-Funktionieren der Bundesbahn, geplante Fahrerlaubnis für “Megatrucks” angesichts maroder Straßen und Brücken) und vielen anderen “Baustellen” (Schnellschuss Bundeswehrreform mit tollem Timing zum doppelten Abiturienten-Jahrgang! GEZ-Regelung usw. usw.) mehr bietet zur Zeit die Zwangseinführung des Biosprits “E 10″ einen weiteren Anlass, aus der Haut zu fahren. Nach allem, was ich darüber in Erfahrung bringen kann, ist die Ökobilanz dieses vorgeblichen Bioprodukts mehr als fraglich. Die Kraftstoffhersteller (in Komplizenschaft mit dem Staat, der über die Spritsteuer mitverdient) nutzen das Ganze zu versteckten Preisanhebungen, und dies mal wieder auf dem Rücken der sozial Schwächsten, die alte Autos fahren (müssen).
http://de.cars.yahoo.com/28022011/438/aerger-e10-0.html
http://de.news.yahoo.com/26/20110302/tbs-engpass-an-tankstellen-biosprit-e10-6f7ded7.html
Und weisen Sie im Fall des Falles mal nach, dass es der neue Sprit war, der Ihr Auto ruiniert hat!
Wutburger
Fastfoodbranche reagiert spontan auf ,Wort des Jahres’.
(Das Wort des Jahres 2010 ist «Wutbürger». Das wichtigste Beispiel dafür – «Stuttgart 21» – setzte die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) auf Platz zwei ihrer jährlichen Liste. Mit «schottern», dem Unbrauchbarmachen von Bahnstecken für Castortransporte, kam noch ein drittes Wort aus dem Protestbereich unter die zehn Wörter des Jahres, die die Gesellschaft am Freitag in Wiesbaden vorstellte.)
PS. Den ,Wutroman’ schlechthin schrieb Heimito von Doderer: Die Merowinger oder Die totale Familie. (Childerich von Bartenbruch, ein schmächtiger, doch dessen ungeachtet zu unglaublichen Wutausbrüchen neigender Majoratsherr in Mittelfranken, hält sich – nicht ganz zu Unrecht – für einen Nachfahren der Merowinger. Gleichzeitig verfolgt er hartnäckig die Realisierung seiner Idee von der totalen Familie. Durch eine ungewöhnliche Heirats- und Adoptionspolitik gelingt es ihm, sein eigener Vater, Großvater, Schwiegervater und Schwiegersohn zu werden…)



