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„Schlechte Figur“ – aber von wem?

26. Februar 2010

"Love" von Robert Indiana (Foto: Katie Tegtmeyer)

Gestern stieß ich in der Süddeutschen Zeitung (Nr. 46, 25. Febr. 2010, S. 45) auf einen großen Artikel mit Bamberg-Bezug, der mich doch einigermaßen irritierte. Es ging darin um die im letzten Augenblick gescheiterte Großplastiken-Ausstellung mit Werken der amerikanischen Pop-Art-Ikone Robert Indiana, die der scheidende Direktor der Villa Concordia Bernd Goldmann seiner Stadt zum Abschiedsgeschenk machen wollte. Nun hatte aber die New Yorker Morgan Art Foundation, die Indiana vertritt, fahrlässig gepatzt, indem sie die tonnenschweren Plastiken für Bamberg in Zürich wähnte, aber kurz vor Liefertermin entdeckte, dass die Objekte in einem New Yorker Depot untergebracht waren. Man bot zwar an, die Kunstwerke einzufliegen, aber die horrenden Kosten hätte Goldmann übernehmen sollen. Verständlich, dass der die „Notbremse“ zog. Diese Katastrophe besitzt schon beinahe tragische Züge, wenn man die Vorgeschichte reflektiert: Bernd Goldmann hatte im vergangenen Jahr schon zwei andere, international absolut hochkarätig besetzte Ausstellungen geplant und in die Wege geleitet: eine mit dem Bildhauer Barry Flanagan, eine andere mit Alfred Hrdlicka. Beide Projekte waren am Tod der eingeladenen Protagonisten gescheitert.

„Nijinski Hare on Anvil Point" von Barry Flanagan (Foto: notlikecalvin)

Ich fasse zusammen: Da hat ein Kunstmanager einer kleinen oberfränkischen Provinzstadt in einem Jahr drei nach internationalen Maßstäben erstklassige Großplastiken-Ausstellungen bis ins Detail (Logistik, Versicherungen, Finanzierung, Präsentation etc.) durchgeplant, und alle Objekte wären in der Tat nach Bamberg gekommen, wenn, ja wenn ihm nicht höhere (Tod) oder niedrigere (Pfusch des Partners) Umstände ins Gehege gekommen wären, die er – auch nach Darstellung der SZ – wirklich nicht hatte beeinflussen können. Und nun – um zur oben angesprochenen Irritation zurückzukommen – titelt die Zeitung: „Zum Abschied eine schlechte Figur“. Verwirrt frage ich mich: Liegt hier eine sprachlogisch missglückte Formulierung vor oder geht es um Rufschädigung? Der zweite Teil des Artikels deutet in letztere Richtung. Da würden „manche Bamberger“ (ich frage mich, welche bitte konkret?) Goldmann vorwerfen, er habe die anderen in der Villa Concordia vertretenen Künstler vernachlässigt, weil seine „Leidenschaft für Skulpturen so enorm sei“. Welch ein Unfug! Aus guter Kenntnis des Veranstaltungsprogramms der Villa Concordia über die letzten Jahre hinweg weiß ich, wie sehr sich der Chef des Künstlerhauses weit über die Region hinaus ins Zeug gelegt hat, um ,seinen’ Künstlern Präsentationschancen zu eröffnen. Seine Honorarprofessur der hiesigen Universität hat er übrigens nicht auf Antrag der Kunstgeschichte für seine Großplastiken-Ausstellungen erhalten, sondern für seine literaturwissenschaftlichen Leistungen und sein Engagement für das literarische Leben in Bamberg!

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