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Stilistisches

Es ist Ziel dieses Beitrags (und ähnlicher künftiger Beiträge), mehr Sensibilität für sprachlich-stilistische Richtigkeit und Eleganz zu wecken; ich zitiere zunächst eine Passage aus einer studentischen Abschlussarbeit:

Weiterhin wird der Slam in seiner Gesamtheit dargestellt. Das internationale Netzwerk wird erläutert, ebenso wird der Frage nachgegangen, inwieweit der Dadaismus, der Social Beat und der deutschsprachige Rap den Poetry Slam beeinflusst haben, um die Hintergründe der Slam-Bewegung ersichtlich zu machen. Danach werden die Organisation, Marketingkonzepte und die Finanzierung des Slam dargestellt. Die verschiedenen deutschsprachigen Formate, also die verschiedenen Veranstaltungsarten, werden beschrieben. Mit dem Einbeziehen der deutschsprachigen Meisterschaften und dem „Deaf Slam“ in der Schweiz wird ein Blick über Deutschland hinausgeworfen. Dies erscheint mir wichtig, da sich die Slam-Bewegung nicht auf ein Land begrenzen lässt und die deutsche Slam-Szene enge Kontakte zu den umliegenden deutschsprachigen Ländern unterhält. Weiterhin werden wichtige Publikationen, die Slam Poetry enthalten, sowie die Präsenz der Slam-Bewegung in den Medien zusammengestellt.

Kritik: Was auf den ersten Blick extrem stört, ist die Häufung im Passiv formulierter Satzkonstruktionen mit „wird“ bzw. „werden“. Die stilistischen Grundregeln: „Möglichst Sätze im Aktiv-Modus bilden!“ und „Wiederholungen vermeiden!“ sind hier deutlich verletzt.

Verbesserungsvorschlag:

Weiterhin wird der Slam in seiner Gesamtheit dargestellt. Die ersten drei Teilkapitel erläutern das internationale bzw. nationale Netzwerk der Bewegung und gehen der Frage nach, inwieweit diese von Dadaismus, Social Beat und Rap inspiriert wurde. In einem vierten Arbeitschritt stelle ich Organisationformen sowie Marketing- und Finanzierungskonzepte für Slamveranstaltungen vor. Veranstaltungsformate wie die deutschsprachigen Meisterschaften oder der Schweizer „Deaf Slam“ überschreiten bereits einen rein nationalen Betrachtungshorizont, der dem Phänomen ohnehin nicht angemessen ist (Kap. 1.6). Ein Verzeichnis stellt wichtige einschlägige Publikationen zusammen und dokumentiert die Präsenz der Slam-Bewegung in den Medien.

Kommentar:

Mein Verbesserungsvorschlag reduziert sieben Fälle von „wird“/“werden“ in 11 Zeilen auf nur noch einen Fall. Dem entsprechend werden zahlreiche Passiv-Konstruktionen aktiviert. Nebenbei beseitigt die Umformung eine ganze Reihe kleinerer Probleme wie z.B. den weniger eleganten Artikel-Gebrauch etwa vor „Dadaismus“, „Social Beat“ und „Rap“ sowie vor „Organisation“. Dieser Artikel-Gebrauch ist schon deshalb ,anstößig’, weil das „die“ einmal als Singular (vor „Organisation“), danach aber stillschweigend als Plural (im Hinblick auf „Marketingkonzepte“) zu lesen ist. Ferner habe ich den unschönen Nominalismus „Mit dem Einbeziehen“ getilgt, die Dopplung von „deutschsprachigen“, die Dopplung von „Deutschland“ – „Land“ und anderes mehr. Sicherlich ist mit meinem oben präsentierten Vorschlag noch kein Optimum erreicht!

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  1. 26. Juni 2010 um 18:32

    Abgesehen vom interessanten Thema der Abschlussarbeit, die ich gerne einmal lesen würde: In Ihrem Verbesserungsvorschlag verwenden Sie die erste Person. Dazu möchte ich anmerken, dass nicht wenige Dozenten ihre Studenten lehren, in einer wissenschaftlichen Arbeit niemals aus der eigenen Perspektive zu schreiben, weil: nicht wissenschaftlich! Da er nie genau weiß, wie es der Dozent so damit hält, schreibt der angsterfüllte Student daher vorzugshalber „der Verfasser dieser Arbeit“ – oder rettet sich noch lieber in Passivkonstruktionen.

  2. 28. Juni 2010 um 09:18

    Danke für den Einwand – er ist wichtig genug, um darauf bei allernächster Gelegenheit mit einer kleinen Erörterung zu antworten. Grundsätzlich gilt als Faustregel für die Studierenden, sich mit dem jeweiligen Betreuer einer Abschlussarbeit über solche Dinge abzustimmen. (Ich selber finde ein schlichtes „ich“ wesentlich angenehmer als krampfige Vermeidungsformulierungen; aber dazu demnächst einmal ein eigener Blog-Artikel!)

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