Startseite > Uncategorized > Fußball als Theater-Inszenierung

Fußball als Theater-Inszenierung

Es ist einer breiteren Öffentlichkeit noch gar nicht bewusst geworden, wie sehr diese WM das Unterhaltungsformat „Fußball“ verändert hat. Schuld daran ist ein Krakenorakel namens Paul, das die Ergebnisse der Spiele zuverlässig voraussagt. Ein sportlicher Wettkampf, bei dem die Frage von Sieg und Niederlage aber bereits von vornherein feststeht, mutiert zu einer Art Theateraufführung. Auch dort ist bekannt, wie die Sache mit Romeo und Julia ausgeht. Wenn die Finalspannung wegfällt, beginnt man auf anderes zu achten: z.B. auf die Regie, die Dramaturgie, die Details der Inszenierung (Exposition, retardierendes Moment, Happy End/ Katastrophe etc.), eben das „Wie“. Vermutlich bekommen wir in Zukunft weniger langweilige Spiele zu sehen, gerade weil wir schon wissen, wie es ausgeht. Nun, von der Frage „Sieg oder Niederlage“ entlastet, können sich Spieler, Trainer, Schiedsrichter und Publikum, auf das Zustandekommen eines schönen ,spannungsreichen‘ Spiels mit vielen Toren und viel Dramatik konzentrieren. Das gestrige kleine Finale dieser WM hat uns bereits einen guten Vorgeschmack geboten. Ich halte die Entwicklung, die sich hier abzeichnet, für spieltheoretisch ausgesprochen interessant!

Weitere Perspektiven: Nun werden auch „Wieder-Aufführungen“ historischer Spiele allen Ernstes denkbar; im Fernsehen gibt es Ähnliches als öde Medienkonserve bekanntlich schon längst bis zum Erbrechen. Nun aber kann ich mir vorstellen, dass unsere aktuellen Nationalspieler in die Rollen und Kostüme ihrer Vorgänger schlüpfen und historische Partien nachspielen. (Etwa so, wie Amerikaner ihre alten Bürgerkriegs-Schlachten nachstellen.) Dann sieht man, ob es beispielsweise Özil gelingt, einen bestimmten Kunstschuss von Netzer (1972) zu wiederholen …

Advertisements
  1. 11. Juli 2010 um 17:19

    Interessante Perspektive, vor allem für Leute, die für Fußball abseits internationaler Turniere wenig bis gar nichts übrig haben. Nur wer soll im voraus die Ergebnisse entscheiden? Paul der Oktopus? Der ist doch zur nächsten WM längst gegessen.

  2. 11. Juli 2010 um 17:51

    In Singapur hat Krake „Paul“ bereits einen ernst zu nehmenden Konkurrenten bekommen. Der Papagei „Mani“ hat die bisherigen Viertelfinalspiele der WM, wie auch „Paul“, richtig getippt. Der „Zaubervogel“ wird in seinem Land bereits verehrt. Das Finale am Sonntag gewinnt nach dem Papageien-Orakel Holland. Viele Wettspieler pilgern bereits zu „Mani“, um sich Ergebnisse von ihm zu ergattern.

    Wenn der Papagei mit seiner Prognose recht behalten sollte, dann werden wir ihn wahrscheinlich auch noch bei der nächsten WM bestaunen können. Da „Paul“ schon als Kraken-Opa gilt, wird ihn der Papagei leicht überleben.

  3. 11. Juli 2010 um 18:01

    Na da bin ich ja beruhigt.

    Lediglich die Anbieter verschiedenster KickTipp-Spiele werden jetzt wohl in die Röhre schauen, immerhin sind die Wettquoten durch die Prophetentierchen ja verdorben.

  4. Kathi
    14. Juli 2010 um 20:00

    So betrachtet muss ich sagen, dass die Hörspielfassung des Dramas am Sonntag ziemlich misslungen ist. Mit 90 Minuten Erzählerbericht, unterlegt mit einem monotonen Brummen, sind die Potenziale des Genres noch lange nicht ausgenutzt (da half nicht einmal die pfiffige Idee, den Handlungsverlauf willkürlich durch sekundenlanges Rauschen zu unterbrechen) …

  1. No trackbacks yet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s