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Stilistisches (Gedanken beim Korrigieren)

Man kann nicht jedes Wort der deutschen Sprache nach Belieben flektieren. Auch kreative Germanisten werden sich beispielsweise schwer damit tun, „aber“ in den Dativ zu setzen. In ähnlicher Weise sträuben sich manche Wörter dagegen, gesteigert zu werden. Was aber für viele Zeitgenossen – Studierende, Journalisten, Regierungssprecher – kein Hinderungsgrund ist, es immer wieder zu probieren.

„Um Kleists Penthesilea zur Gänze zu verstehen, müssen wir die verschiedensten Methoden in Anwendung bringen.“ Wenn ich dies lese, steigt – um es einmal mit den Worten Robert Schindels zu sagen – Bitterkeit in mir auf. Könnten wir uns vielleicht an dieser Stelle einmal grundsätzlich darauf einigen, „verschieden“ hinfort nicht mehr in den Superlativ zu setzen? Ich glaube, damit wäre schon viel gewonnen. Für die deutsche Sprache, für meinen Magen.

Manchmal, in leider viel zu seltenen glücklichen Momenten ist es aber doch wieder möglich, und sogar mit Gewinn, gegen die pedantischen, uns so schrecklich gängelnden Sprachregeln zu verstoßen: „Selten war in einem Lied die Verpflichtung zur komplett rasenden Blödsinnigkeit und köpfischen Heißluftigkeit so evident wie in den legendären 99 Luftballons von Nena, der dahergelaufensten Trulla auf dem bundesdeutschen Schlagermarkt der Anfangsachtziger.“ (Zitat Michael Rudolf in Schlager, die wir nie vergessen, Reclam-Bibliothek Bd. 1583.) Hier steigt Heiterkeit in mir auf.

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