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„Traummann“ oder „Traum aller Männer“

Präzises Denken und ein entsprechend stimmiges Formulieren sollte für Germanisten eine Selbstverständlichkeit sein. Ich bin davon überzeugt, dass die Wirtschaft Absolventen unseres Studiengangs nicht zuletzt wegen dieser Kompetenz einstellt.

In diesem Zusammenhang habe ich heute zwei schöne Beispiele für falsches Denken und/oder Formulieren bei unserem lokalen Radiosender aufgeschnappt. Im einen Fall führte ein Moderator seinen Studiogast, dem er schmeicheln wollte, als „Traum aller Männer“ (der Typ kam gut an, es war kein Lokomotivführer!) ein; sagen wollte er vermutlich „Traummann“, gedacht hat er vielleicht „Traum aller Schwiegermütter“. Die zweideutigen Implikationen der ersten Formulierung sind im entgangen; etwas unverfänglicher wäre noch „Traum aller Frauen“ gewesen.

Im anderen Beispiel berichtete eine Redakteurin von einer Aussichtsplattform in den Alpen, die als Gitterrost in luftiger Höhe einen speziellen touristischen Kitzel bietet. Sie erzählte, man könne auf dieser Plattform „unter den eigenen Schuhsohlen“ hunderte Meter tiefer dies und das sehen. Scheint mir ziemlich unlogisch: Gerade unter den eigenen – wohl kaum durchsichtigen – Schuhsohlen dürfte man meines Erachtens nichts sehen. Denk- und Sprachfehlern dieser Art, die vor 20, 30 Jahrem keinem Absolventen einer Hauptschule unterlaufen wären, begegnet man heutzutage in den Medien auf Schritt und Tritt.

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  1. Frau A.
    15. Oktober 2010 um 20:40

    »Ausgetrockneter Po bereitet italienischen Bauern Kopfschmerzen«, meldete der Bayerische Rundfunk 2007. Gefunden und genussvoll ausgeschlachtet hat das damals die Titanic mit folgendem Kommentar: „Santo cielo! Ein bißchen Olivenöl/Panthenolcreme wirkt da Wunder! Stellt Euch mal nicht so doof an, sonst fahren wir im Sommer in die Türkei. Titanic“ (vgl. http://www.titanic-magazin.de/badl_0706.html)

  2. 20. Oktober 2010 um 21:59

    Die Berliner Zeitung hat sich gestern ebenfalls zu einer solchen stilistischen Blüte hinreißen lassen. Der ehrgeizige Versuch des Verfassers, einen mitreißenden Vergleich zu schaffen, ist leider als gescheitert anzusehen. Ich zumindest wüsste nicht, dass man als Ehebrecher automatisch Steuerhinterzieher ist. (Wenngleich findige Juristen das sicher über die verschiedenen Steuerklassen erklären könnten …)

    „Verbindlich sind allein die Allgemeinen Menschenrechte, das Grundgesetz mit den darin festgelegten demokratischen und juridischen Verfahrensregeln: Der Ehebrecher ist demnach kein Straftäter, wohl aber Steuerhinterzieher; wer onaniert, mag das einem interessierten Priester im Beichtstuhl mitteilen, der allgemeinen Gerichtsbarkeit unterliegt er nicht; wer Schweinefleisch verzehrt, gehört nicht zum Abschaum.“

    (Quelle: http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/1019/meinung/0031/index.html)

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