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Meinungsaustausch zur „gerechten“ Bewertung von Nachklausuren

Die Bewertung von Nachklausuren wirft meiner Meinung nach ein Gerechtigkeitsproblem auf, über das ich schon reichlich nachgedacht habe und über das ich mich hier gerne vor einer endgültigen und verbindlichen Regelung für die Zukunft mit interessierten Studierenden und Dozierenden austauschen würde. Ich beginne mit einer kurzen Problemskizze:

Die engen Verknüpfungen zwischen verschiedenen Veranstaltungen in den neuen Studiengängen führen dazu, dass in vielen Fällen Nachklausuren erforderlich sind, um ein zügiges Weiterstudieren überhaupt zu ermöglichen. Der allgemeine Zeit- und Leistungsdruck in diesen Studiengängen weist in dieselbe Richtung. Nun stellt sich aber das Problem, wie Gerechtigkeit herzustellen ist zwischen Studierenden, die eine Klausur im ersten Anlauf – mit relativ kurzer Vorbereitungszeit – schaffen und solchen, die dazu einen zweiten Anlauf – etwa nach den Semesterferien – benötigen (und damit viel mehr Lernzeit zur Verfügung hatten). Im Prinzip fühlt sich manch Studierender „gekniffen“, der bei hoher Belastung im Semester eine Klausur bestanden hat, sagen wir mal mit 3,3, während sein durchgefallener Kommilitone sich am Anfang des nächsten Semesters, nachdem er einige Monate lang lernen konnte, vielleicht eine 1,3 abholt … (Bei den alten Studiengängen gab es hier überhaupt kein Problem, weil die Noten der einzelnen Lehrveranstaltungen für das Abschlusszeugnis irrelevant waren, aber das hat sich ja leider geändert!)

Strategisches Ziel muss dabei sein, Studierende zu motivieren, Klausuren beim Erstversuch zu bestehen; schließlich sollen sie möglichst bald den Kopf für neue Aufgaben frei haben. Auch für Dozenten ist es wünschenswert, in der Nachklausur nur noch relativ geringe Teilnehmerzahlen zu haben. Insofern sollte m.E. ein Noten-Anreiz gesetzt werden, bereits die Erstklausur zu bestehen und sich nicht grundsätzlich auf Nachklausuren zu verlassen. Umgekehrt hätte ich aber gewisse Skrupel dabei, bestandene Nach-Klausuren generell nur mit maximal „ausreichend“ zu bewerten. Dies könnte man zwar von der Sache her damit rechtfertigen, dass die betreffenden Teilnehmer ja „eigentlich“ durchgefallen sind, würde aber deren Motivation beim Nachlernen des Stoffes erheblich beeinträchtigen.

Ein erster Lösungsvorschlag, den ich hiermit zur Diskussion stelle, wäre folgender:

a) Die Nachklausur bewegt sich auf dem selben Anspruchsniveau wie die Erstklausur.

b) Sie wird nach den Regeln der Erstklausur bewertet, bekommt aber einen Malus von einer Notenstufe: aus einer 2,3 würde so eine 3,3. Die bestmögliche Bewertung, die bei einer Nachklausur erlangt werden könnte, wäre demnach eine 2,0.

c) Der Malus greift nicht bei Noten schlechter als 3,0. D.h. am Beispiel: Auch eine 3,7 würde noch als 4 gewertet und wäre damit bestanden, ein Weiterstudieren damit möglich. Alle Noten schlechter als 4,0 gelten wie bei der Erstklausur als „nicht bestanden“.

d) Teilnehmer an der Nachklausur, die aus wichtigen Gründen (Krankheit, Gremientätigkeit etc.) bei der Erstklausur verhindert waren, werden normal bewertet, können also auch eine 1,0 erzielen.

Bin gespannt auf Kommentare.

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  1. Oda Riehmer
    25. Oktober 2010 um 12:57

    Grundsätzlich finde ich es sinnvoll, das bestehende (unfaire) System abzuändern…
    Ich könnte mir aber vorstellen, dass die Notenabstufung bei den Bacheloren – bei denen ja jede Note zählt – dazu führt, dass die alle dann die Klausur lieber im nächsten Semester nochmal schreiben, statt den Nachholtermin wahrzunehmen. Dass man es also gar nicht versucht, wenn man sowieso keine Chance auf eine 1 hat…
    Alternativ könnte man doch beide Termine von Anfang an als Klausurtermine ausschreiben, das ist für die Bacheloren und Master sicher angenehm, bei denen sich die Klausuren am Semesterende immer so stapeln, dann können Sie sich aussuchen, wie viel Zeit sie zum Lernen haben wollen und keiner fühlt sich benachteiligt. Die zweite Klausur könnte dann trotzdem gleichzeitig als Nachschreibeklausur mit der Notenabstufung fungieren, und wer sich gleich für die zweite einschreibt, hat dann eben das Risiko, weil es keinen weiteren Nachholtermin gibt.

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