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Vettelwirtschaft – oder bedenklicher Umgang mit Kernkompetenzen

Bei aller gegebenen Sympathie für Sebastian Vettels sportlichen Erfolg stimmt es mich doch bedenklich, dass eine Getränkefirma, also gewissermaßen ein „Saftladen“, die etablierten Autokonzerne dieser Welt ausgerechnet bei einer Automobilkonkurrenz abgehängt hat. Da stimmt doch was nicht, oder? Andererseits finde ich das Gesöff dieser Firma wiederum schrecklich, dass ich nur vermuten kann, dass Red Bull seit Jahren seine geballte Konzernkraft in die Entwicklung eines vernünftigen Autos gesteckt hat, nicht aber in die Kreation eines guten Getränks. Vermutlich tüfteln Mercedes, Ferrari und Co. umgekehrt schon seit Jahren fantastische Schnäpse, Diätbiere oder Holundersirups aus, mit denen sie bald den Markt aufrollen werden, fanden dabei aber naturgemäß kaum noch Kraft und Zeit, sich mit ihren Autos zu beschäftigen. (Die Rennresultate zeigen’s ja!) Zumal man in diesen Häusern traditionell über interessante Rohstoffe für sexy energy drinks verfügt: Altöl, Kühlerwasser, Batteriesäfte, Frostschutzmittel usw.

In diesem Zusammenhang hat mich interessiert, was in den Säften des aktuellen Formel 1-Weltmeisters eigentlich so drinsteckt, und habe folgendes gelernt: Red Bull besteht als sog. energy drink hauptsächlich aus Wasser (wie langweilig!), Zucker (süß!!!), Glucuronolacton (?), Coffein (kenn ich, brauch ich vor und nach meiner Vorlesung) und Taurin (wird das aus Minotaurus gemacht?) sowie Aspartam (Wanderer kommst du ad spartam …) (in der zuckerfreien Variante) und zugesetzten Vitaminen. Neugierig geworden wollte ich mehr wissen.

Glucuronolacton (D-Glucuronsäure-γ-lacton) ist ein natürlich vorkommender intramolekularer Ester (Lacton) der D-Glucuronsäure. Letztere ist ein Oxidationsprodukt der D-Glucose und zählt zu den Zuckersäuren. In Deutschland ist Guronolacton als Lebensmittelzusatzstoff nicht zugelassen, jedoch in anderen EU-Ländern, aus denen es eingeführt werden darf.

Der Koffeingehalt einer Dose Red Bull (250 ml) entspricht mit 80 Milligramm etwa dem einer Tasse Filterkaffee; damit entspricht dies einem kleinen Mokka mit viel Zucker.

Taurin ist eine organische Säure mit einer Aminogruppe und enthält eine Sulfonsäuregruppe, die keine Peptide bilden kann. Taurin ist deshalb eine Aminosulfonsäure, Abbauprodukt der Aminosäuren Cystein und Methionin. Entgegen landläufiger Meinung ist es selbst aber keine Aminosäure, da es keine Carboxygruppe enthält. Der Stoff wurde 1827 erstmals aus der Galle von Ochsen (Bos taurus) isoliert und zunächst Gallen-Asparagin genannt. Das Wort wurde von der lateinischen Bezeichnung für Stiergalle, Fel tauri, abgeleitet bzw. vom griechischen Wort tauros für Stier ab. (Minotaurus! Sagt’ ich doch!) Diesem Trivialnamen hat Taurin vermutlich die Entstehung der zahlreichen Legenden (dazu sag ich jetzt mal nichts!) um seine Wirkung zu verdanken.

Zu den wenigen genauer bekannten Aufgaben von Taurin im Stoffwechsel gehören die Bildung von Gallensäurenkonjugaten, die Beeinflussung der Signalübertragung und eine gewisse Rolle bei der Entwicklung des Zentralnervensystems und der Herzfunktion. Taurin stimuliert den Einstrom und die Membranbindung von Calcium. Es ist ein starkes Antioxidans und kann Gewebe somit vor oxidativen Schäden schützen. Eine niedrige intramuskuläre Taurinkonzentration ist charakteristisch für chronisches Nierenversagen. Taurinmangel führt im menschlichen Körper zu Störungen des Immunsystems. Der erwachsene menschliche Körper kann Taurin aus der Aminosäure Cystein allerdings wunderbar selbst herstellen. Eine Zufuhr durch Nahrungsmittel ist deshalb bei Erwachsenen auch nicht nötig.

Aspartam ist ein synthetisch hergestellter Süßstoff. Als Lebensmittelzusatzstoff wird es als E 951 deklariert, die erlaubte Tagesdosis beträgt in der EU 40 mg pro kg Körpergewicht und Tag. Aspartam ist ein weit verbreiteter Inhaltsstoff in Softdrinks und Kaugummi. Wahrscheinlich auch in diesen tollen Regenreifen mit Super-Klebeeigenschaft. Alles klar?

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  1. 15. November 2010 um 12:52

    Herrlich! Herzlichen Dank für diesen wahrhaftig erfrischenden Beitrag. Damit sollte im Grunde jeder Montag beginnen, hilft im Zweifelsfall auch besser, als der rote Bulle.

  1. 15. November 2010 um 16:50

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