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Formulierungsfehler – Beispiele aus der Praxis

28. November 2010

Die Abschlussarbeiten der PrüfungskandidatInnen dieses Semesters häufen sich auf meinem Schreibtisch, eine intensive Korrigierphase steht an. Dabei stoße ich immer wieder auf Fehler, aus denen etwas zu lernen ist.

Hier Beispiele für schiefe Formulierungen bzw. eine falsche Ausdruckswahl, im ersten Fall kommt ein ganz anderer als der intendierte Sinn zustande:

Zitat:

Aus heutiger Sicht sind die Forschungslücken in der Geschichte der Geschichtswissenschaft im 20. Jahrhundert für diesen Zweick jedoch ausreichend rekonstruierbar.

Kommentar: Dieser Satz ist grundsätzlich unglücklich formuliert, er ist unübersichtlich und schwer verständlich, die Präposition „in“ vermutlich auch sinnwidrig. Worauf ich aber jetzt hinaus will, ist das Verb. Weil „rekonstruierbar“ schön anspruchsvoll klingt, ist die Verf. offensichtlich der Versuchung erlegen, dieses Wort zu verwenden, anstelle das vom Sinn her richtige „zu schließen“. Dass „Forschungslücken“ ausgerechnet „rekonstruiert“ werden sollen, ergibt einen ungewollt lustigen Effekt.

Weiteres Zitat:

In ihm sind alle negativen Klischees des Deutschen vereinbart.

Kommentar: Das Verb „vereinbaren“ setzt Akteure voraus, die untereinander etwas absprechen. Richtig wäre hier das Wort „vereint“ oder eine Alternativ-Formulierung wie „Diese Figur versammelt alle negativen […].“

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