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Lichtverschmutzung: Welcome Hotel Bamberg inszeniert seine Sylvesterparty als Ballermann-Event

Ich bin nun wirklich kein militanter Gegner sog. „Lichtverschmutzung“ und bleibe mit meiner Kritik weit hinter den Überlegungen des deutschen Gesetzgebers zurück, der diese Erscheinung als Umweltbelastung einstuft. Für mich lässt sich Urbanität durchaus mit einer angemessenen nächtlichen Illuminierung des städtischen Kerngebiets verbinden. Positive Beispiele für eine dem Charakter Bambergs angepasste Beleuchtung gibt es zuhauf. Allerdings bin ich auch ganz entschieden dafür, beim Lichtdesign gewisse Maßstäbe des guten Geschmacks einzuhalten und die Belästigung der Wohnbevölkerung in Grenzen zu halten. Das Hotelmanagement des Welcome Hotels hat in der vergangenen Sylvesternacht gegen solche Maßstäbe bzw. Grenzen massiv verstoßen, indem es auf seine Sylvesterparty im Ziegelbau unter dem Michelsberg mit zwei Skybeamern aufmerksam machte. Worum geht es hier? Ich zitiere nachfolgend von der Seite http://www.lichtverschmutzung.de/seiten/skybeamer.php: Oft sind die stärksten Lichtverschmutzer

[…] sogenannte Skybeamer, lichtstarke, bündelnde Scheinwerfer, die über zig Kilometer hinweg zu sehen sind und häufig schnell bewegt werden. Oft werden sie von Diskotheken als Werbung eingesetzt. Nur in seltensten Fällen sind es Laser, für die sie allerdings oft gehalten werden.
Dabei sind diese Scheinwerfer

  • besonders störend für astronomische Beobachtungen,
  • gefährlich für Zugvögel, weswegen Behörden in Hessen bereits Verbote ausgesprochen haben,
  • sehr stark verkehrsgefährdend – es hat bereits Unfälle gegeben,
  • eine Werbung über riesige Entfernungen, die nach den Baugesetzen oft verboten ist,
  • und sie haben negative Einflüsse auf die Tierwelt. In Dortmund wurde in einer warmen Nacht beobachtet, dass während 1 Stunde etwa 1000 Nachtfalter und andere größere Fluginsekten an einem Strahler verbrannten!

Nun, astronomische Beobachtungen wollte in der gestrigen Nebelnacht sicher niemand anstellen, und auch die Gefährdung der Vogel- und Insektenwelt wird sich in Grenzen gehalten haben. Die Anwohner trieb das mit Einbruch der Dunkelheit einsetzende grelle und hektische Gefunzel vor den Fenstern allerdings tendenziell in den Wahnsinn. Ein Versuch, sich telefonisch zu beschweren, endete schon bei der Hotelrezeption, die vorgeblich keinen Verantwortlichen kennen wollte. So schien es uns am vernünftigsten, den Impuls zu unterdrücken, die Lichtkanonen zu sabotieren, und uns statt dessen zu Freunden in einen anderen Stadtteil zu flüchten. Wir halten fest: a) die Frage, in welcher Dorfdisko die Welcome-Manager ihr Handwerk gelernt und welches Bild sie von ihren Gästen haben? b) die Erkenntnis, dass Lichtverschmutzung auch ein Thema bei der gegenwärtigen Diskussion über die Strapazierung des öffentlichen Raums in Bamberg sein sollte. c) die Anschlussfrage an die Stadtverwaltung, ob man eine Genehmigung zum Betrieb der Skybeamer erteilt hat und falls ja, ob man den betreffenden Beamten nicht in ein Ressort versetzen kann, wo ästhetische Fragen keine Rolle spielen?

PS. Bei dieser Gelegenheit seien noch zwei weitere problematische Lichtquellen im Bamberger Kernraum angesprochen, die für mich eindeutig die Kriterien für Lichtverschmutzung erfüllen: das Kreuz auf der Michelsbergterrasse und die fahlen Lichtkuben auf der Löwenbrücke. So wunderbar die dezent angestrahlten Baukörper der großen Bamberger Kirchen das romantische Stadtbild bereichern und krönen, so grell, billig, ja marktschreierisch-geschmacklos setzt das Lichtkreuz das zentrale Symbol der Christenheit in Szene – für mich eine ästhetische Provokation und zugleich eine optische Blasphemie. Auf ganz andere Art und Weise verunglimpfen die Leuchtkörper auf den Masten der Löwenbrücke das nächtliche Bamberger Stadtbild. Ihr fahles Licht verkündet nichts als Tristesse, und wir müssen jeden suizidgefährdeten Menschen dringlichst davor warnen, sich diesem Schein ungeschützt auszusetzen. (Kann man diese Leuchtkörper nicht gelblich oder noch besser – mit ein wenig Mut – in Pink tönen, um sie freundlicher zu machen?)

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  1. S.D.
    1. Januar 2012 um 23:26

    Ich habe ehrlich gesagt auch nichts für zu viel fehlplatziertes Licht bei Nacht übrig. Nur die Geschichte hinter dem unnätigen Leuchtkreuz ist doch ganz schön: Das Kreuz leuchtet so lange, bis es auf der Welt keinen einzigen Krieg mehr gibt. Noch ein Grund, warum es sich lohnt keinen Krieg zu führen …

  2. b
    4. Januar 2012 um 15:01

    Wenn ich ehrlich bin, weiß ich nicht genau, ob dieser Artikel ein Scherz sein soll, oder ob der Inhalt wirklich ernst gemeint ist?!
    Es ging um eine Silvesterparty und es wird von einem Skybeamer gesprochen. An Silvester werden jedes Jahr Tonnen von Feuerwerkskörpern weltweit in die Luft gejagt, weil es schön aussieht. Aber vielleicht fällt bei Ihnen da kein Schmutz an. Wir reden von Licht…Ich würde gerne wissen, wer den dadurch angefallenen Abfall am Neujahrstag wegräumen musste?

    Ich muss mir wirklich an den Kopf langen. Es gibt Menschen, die echt zuviel Zeit haben. Abgesehen davon, dass die These totaler Quatsch ist, gibt es sicherlich Themen, die um einiges wichtiger gewesen wären.

    Schade, dass es anscheinend so viele frustrierte Menschen mit einer blühenden Fantasie gibt…

  3. luck
    4. Januar 2012 um 15:22

    …da kann ich meinem Vorredner nur zustimmen!

  4. Hookahey
    5. Januar 2012 um 18:26

    Typisch Bamberg. Langeweile treibt doch immer wieder jemandem zu solch pseudo intellektuellen Ergüssen. Eigentlich eine traumhafte Stadt, aber solche Menschen sorgen dafür, dass man nicht zurück kommen möchte.

  5. luck
    5. Januar 2012 um 19:51

    naja aber da brauchen wir uns in Bamberg gar ned aufregen… hier wird sogar ne Stadtratssitzung einberufen wegen irgendwelchen hässlichen Schlößern an einer architeckturisch gesehen eig. schönen Brücke… Vorschlag aus dem Stadtrat: Schlösser dran lassen und alle 5 Jahre die koridierten Seile erneuern… GEHTS NOCH?

    • luck
      5. Januar 2012 um 19:52

      sorry es heißt korodiert…

  6. luck
    5. Januar 2012 um 19:58

    und überhaupt wer bitteschön regt sich an Silverster über Lichtverschmutzung auf? Das kann ja nur wieder ein hochstudierter Pädagoge, der sich in seiner geistigen Freiheit von Lichtstrahlen, seien es die einer architekturisch beleuchteten Brücke oder die einer Silvesterveranstaltung, gestört fühlt! Wer bitte will an Silvester die Sterne beobachten? Man man man… es gibt einfach Leute die sich in ihrer Freizeit immer über irgenwas aufregen müssen!

  7. 5. Januar 2012 um 21:32

    Es freut natürlich jeden Blogger, wenn ein Artikel auf Resonanz stößt und besonders, wenn in der Resonanz Energie steckt, was hier ja offensichtlich der Fall ist. (Ein dumpfes Bauchgefühl versucht mir einzureden, dass sich die Skybeamer-Branche auf den Schlips getreten fühlt – oder der Partyveranstalter?) Scherz beiseite, erörtern wir ein paar Dinge genauer. Zunächst mal ein Artikel zum Zusammenhang von Sylvesterfeuerwerk und Dreck …

    • luck
      5. Januar 2012 um 22:20

      Aber bitte erlauben Sie mir eine Frage: was genau stört sie an Lichtstrahlen am Himmel am Silvesterabend?

      • 6. Januar 2012 um 15:44

        Die Frage lässt sich ganz konkret beantworten: Zunächst hat es mich kolossal genervt, das Skybeamerlicht vom Wellcome Hotel stundenlang direkt vor den eigenen Fenstern und im Wohnzimmer zu haben, ohne mich beim Verursacher beschweren zu können; dann aber denkt man darüber – als engagierter Bürger einer wunderbaren und schützenswerten Stadt – grundsätzlicher nach, stellt sich vor, dass das schlechte Beispiel Nachahmer finden könnte und landet dabei zwangsläufig bei dem Phänomen „Lichtverschmutzung“ und indirekt auch schon bei der Frage der Nutzung bzw. Überstrapazierung des öffentlichen Raums in Bamberg, die sich ja seit einigen Wochen zu einem zentralen politischen Thema entwickelt hat.
        Zum Verhältnis von Skybeamerlicht und Sylvesterfeuerwerk habe ich mich gestern in einem eigenen Beitrag ausführlich geäußert, zu anderen interessanten Aspekten der Diskussion will ich in den nächsten Tagen Stellung nehmen (falls mir die wieder anlaufende Lehrtätigkeit dazu noch Zeit lässt): so zum Beispiel zum Thema einer gerechten Verteilung von Lasten und Profiten bei der Nutzung öffentlicher Räume oder zur (in den voranstehenden Kommentaren aufgeworfenen) Frage „Wie kann sich ein Mensch bloß für so etwas wie Lichtverschmutzung (oder endlose Baustellen, dilettantisch geplante Brücken, Schmetterlinge, Schlagertexte, Plagiate, Planung von Citycentern und städitsichen Verkehrsstrukturen, Gammelfleisch, unnötige Schutzimpfungen, ökologisch unsinnige Monokultur-Baumpflanzungen im Hain, den Busparkplatz an der Weide, Basketball, Snooker, Kreativwirtschaft, Operinszenierungen, Graffiti etc. etc.) interessieren?“
        PS. Ich habe u.a. Stadt- und Raumplanung studiert und mich dabei intensiv mit dem Zusammenhang von Architektur, Raumgestaltung bzw. Raumnutzung und medizinischen, pyschologischen und sozialen Folgewirkungen beschäftgt; das erklärt vielleicht meine besondere Sensibilität für den hier diskutierten Problemkomplex. Sie können es sich vielleicht schlecht vorstellen, aber bestimmte Baustrukturen, Feinstaub-, Lärm- und Lichtemissionen machen Menschen in statistisch auffälliger Weise kränker, leistungsschwächer, depressiver, unzufriedener und aggressiver.

  8. luck
    6. Januar 2012 um 23:57

    wollen SIe damit sagen Lichtstrahlen am Himmel in einer Silvesternacht machen Sie aggressiv? Entschuldigen Sie die Bemerkung aber dann kann man Sie nicht ernst nehmen…

    • 7. Januar 2012 um 09:10

      Vielleicht lesen Sie nochmal genau nach, was ich geschrieben habe? Danke.

      • luck
        7. Januar 2012 um 12:49

        Glauben Sie mir das hab ich bereits und ich beziehe mich exakt auf ihre Aussage…

  9. Hmm
    7. Januar 2012 um 14:07

    Aggressiv scheint doch „luck“ zu sein, wirkt es doch so, als würde die Anonymität des Internets mal wieder genutzt, um Dampf abzulassen. Ob ungerechtfertigt oder nicht – ständig latent an der Gürtellinie hin- und herzuspringen erscheint doch wenig fruchtbar, zumindest zum Mitlesen. Mögen die unsachlichen Kommentare zur weiteren Selbstgenügsamkeit beitragen und dem Schreiber wasauchimmer geben.

    • luck
      7. Januar 2012 um 14:36

      Eins kann ich Ihnen als Normaler Mensch sagen: Solch ihrer Meinung nach “pädagogisch wertvolle“ Beiträge für die Bamberger Netzwelt über ein paar Lampen sollten Sie sich in Zukunft sparen und stattdessen die Wirklichen Probleme unserer Gesellschaft ansprechen…

  10. 7. Januar 2012 um 16:25

    Gerne. Spätestens morgen schreibe ich eine Analyse zum Spiel der Brose Baskets gegen Bayern München, vielleicht noch mit einem besorgten Seitenblick auf den gegenwärtigen Lauf der Artland Dragons, versprochen! (Ich merke noch an, dass dieser – uninteressante – Artikel mit knapp 400 Klicks am ersten Tag und inzwischen 16 Kommentaren in der Aufmerksamkeitsstatistik aller Beiträge dieses Blogs mit riesigem Vorsprung führt. Dies ist umso bemerkenswerter, als mein Hauptpublikum derzeit noch die vorlesungsfreien Tage genießt.)

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