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Posts Tagged ‘bamberg’

Schade! Regnitz-Ufer am Schiffbauplatz wohl nicht mehr zu retten

Im Kontext zweier hier kürzlich (21. und 30. Juni 2010) publizierter Artikel erreichte mich vorgestern folgende Mail einer engagierten Aktivistin der Bürgerprotestbewegung gegen das auch meiner Meinung nach unsinnige Wegebau-Projekt:

Liebe Freunde,

der OB, das von uns (!?!) gewählte und bezahlte Stadtoberhaupt, lässt sich vom Protest nicht beeindrucken (FT 13.7.2010).

Seit einigen Wochen sind massenweise Unterschriftenlisten mit eifrigen Sammlern unterwegs, in zahlreichen Geschäften liegen die Listen aus, 1500 Bürger haben gezeichnet: Doch der OB lässt sich vom Protest nicht beeindrucken.
Zahlreiche Fachbehörden haben sich gegen diese Uferwegsplanungen ausgesprochen: Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege und die Untere Denkmalschutzbehörde haben von jeglichen Planungen dringend abgeraten, der Behindertenbeirat hält die Planungen für „skandalös“. Verantwortliche Stadtplaner halten den projektierten Uferweg, der in einer Sackgasse enden wird, für ein „Desaster“ – sagen das aber nicht laut. Die Immobilien Bayern schütteln den Kopf. Der Baubetrieb kann schon jetzt den Unterhalt der Straßen und Wege nicht zahlen, das Garten- und Friedhofsamt – das zukünftig die Pflege des Weges übernehmen muss – ist am Ende der Fahnenstange angelangt (und muss die Friedhofsgebühren erhöhen). Um Beleuchtungskosten des Nächtens zu sparen, wurde eine Nachtabschaltung beschlossen, während der Schiffbauplatz in Zukunft erstrahlen wird… DAS wissen diese Bürger!!!
Doch der OB lässt sich vom Protest nicht beeindrucken

Über die heutige Tagespresse ließ man verlautbaren: „Die Verwaltung sieht es als ihre Aufgabe, die gefassten Beschlüsse umzusetzen.“ Mit 21:19 Stimmen wurde im Januar 2009 diese unsägliche Entscheidung getroffen, die so mancher Stadtrat mittlerweile bedauert. Grundlage war ein falsch aufgemessener Katasterplan…
Doch der OB lässt sich vom Protest nicht beeindrucken

„Die bisher privaten Uferbeziehungen sollen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.“ Die Bamberger nennen dieses besonders idyllische Ufer Bambergs Amazonas. Gerade die Urwüchsigkeit und Einmaligkeit dieser urbanen Uferlandschaft ist ihnen ans Herz gewachsen, DAS lieben sie und wollten den Erhalt.
Hier scheint sich eine grundsätzliche Frage anzuschließen: Muss jeder Ort immer und ständig zugänglich sein? Muss Jeder immer überall hin? Macht nicht gerade der Dornröschenschlaf über dem zarten Garten um die Schleuse 100 dessen Reiz aus? Allein der Anblick ist eine Wohltat, der schützende Zaun birgt ein immerwährendes Versprechen. Diese verborgenen und verwunschenen Orte sind Sehnsuchtsorte und Teil unseres Heimatgefühls. Gibt es in einer Stadt noch Räume zu entdecken, bleibt es spannend.
Diese Attraktivität geht verloren, wird jeder Ort einer DIN Norm angepasst. Dies droht nun dem Bamberger Amazonas.
Doch der OB lässt sich vom Protest nicht beeindrucken.

Liebe Freunde,
ich DANKE Euch sehr für Eure Unterstützung. Ihr wisst am Besten, dass Bambergs Amazonas mit seinen Gärten ein Sehnsuchtsort ist – zwar zum Großteil in privater Hand, aber doch nie hermetisch abgeriegelt, sondern für viele zugänglich. Das sind wohl Zusammenhänge, die Manche nicht begreifen.
Herzlich
Eure
Christiane
Christiane Hartleitner M.A.
Kunsthistorikerin

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SPIEGEL-Erhebungen zur gegenwärtigen Studiensituation

24. April 2010 Kommentare aus

Ich empfehle einen Blick in den Unispiegel, mit zahlreichen Artikeln zur gegenwärtigen sozialen Situation der Studierenden und zum Stand des sog. Bologna-Prozesses:

http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,690718,00.html

Interessant ist dabei u.a. eine Vergleichstabelle zu den Aufwendungen für Miete und Nebenkosten an deutschen Hochschulstandorten; Bamberg liegt da ziemlich günstig: auf Platz 46 von insgesamt 54 Universitätsstädten. Am teuersten wohnt man in München, Hamburg, Köln, Düsseldorf, Frankfurt, Darmstadt, Mainz, Stuttgart, Konstanz und Heidelberg. Günstiger als Bamberg liegen noch Erfurt, Halle, Oldenburg, Leipzig, Magdeburg, Jena, Dresden und Chemnitz. Mit Ausnahme von Oldenburg (wo zu allem Unglück auch noch passabel Basketball gespielt wird!) liegen alle günstigeren Konkurrenzstandorte im Osten.

Bamberger Poetik-Professor 2010: Robert Schindel

23. März 2010 Kommentare aus

Robert Schindel, 1944 in Bad Hall als Sohn jüdischer kommunistischer Widerstandskämpfer geboren, bringt viel Erfahrung mit nach Bamberg: Erfahrung aus einem reichen Poetenleben, als Lyriker, Regisseur, Dramatiker, Opernlibrettist, Romancier, Poetikdozent, nicht zuletzt aber als ordentlicher Professor für Sprachkunst. Schindels Werk ist außerordentlich facettenreich: Seine größte Liebe gehört der Lyrik; so hat er seit 1986 acht Gedichtbände publiziert. 1992 wurde er einem breiten Publikum durch seinen Roman „Gebürtig“ bekannt. Mit einem reichen Figurenpanorama ausgestattet, geht es hier um das Verhältnis von Juden und Nichtjuden in der zweiten Generation der Nachgeborenen der Shoah. Die thematische Bandbreite Robert Schindels reicht vom Befragen seiner jüdischen Identität über Gesellschaftskritik, Sexualität und dem immer wieder neu inszenierten Drama der Liebe bis zur Wahrnehmung des digitalen Zeitalters in seinem letzten Gedichtband Mein mausklickendes Saeculum.

Termine der Vorlesungen im Rahmen der Poetikprofessur von Robert Schindel:

Donnerstag, 1. Juli 2010

Donnerstag, 8. Juli 2010

Donnerstag, 15. Juli 2010

Donnerstag, 22. Juli 2010

Die Vorlesungen finden jeweils um 20 Uhr s. t. im Hörsaal U7/105 statt. Sie sind – wie immer – öffentlich, der Eintritt ist frei.

An den darauf folgenden Freitagen steht Schindel Studierenden und weiteren Interessierten in einem Autorenseminar, das von Prof. Dr. Iris Hermann geleitet wird, zur Verfügung. Am 23. und 24. Juli 2010 endet die Poetikprofessur mit einem Kolloquium zum Werk Robert Schindels, bei dem sich LiteraturwissenschaftlerInnen und Vertreter des Literaturbetriebs in Anwesenheit des Autors mit seinem Werk auseinandersetzen.

www.schindel.at

„Schlechte Figur“ – aber von wem?

26. Februar 2010 Kommentare aus

"Love" von Robert Indiana (Foto: Katie Tegtmeyer)

Gestern stieß ich in der Süddeutschen Zeitung (Nr. 46, 25. Febr. 2010, S. 45) auf einen großen Artikel mit Bamberg-Bezug, der mich doch einigermaßen irritierte. Es ging darin um die im letzten Augenblick gescheiterte Großplastiken-Ausstellung mit Werken der amerikanischen Pop-Art-Ikone Robert Indiana, die der scheidende Direktor der Villa Concordia Bernd Goldmann seiner Stadt zum Abschiedsgeschenk machen wollte. Nun hatte aber die New Yorker Morgan Art Foundation, die Indiana vertritt, fahrlässig gepatzt, indem sie die tonnenschweren Plastiken für Bamberg in Zürich wähnte, aber kurz vor Liefertermin entdeckte, dass die Objekte in einem New Yorker Depot untergebracht waren. Man bot zwar an, die Kunstwerke einzufliegen, aber die horrenden Kosten hätte Goldmann übernehmen sollen. Verständlich, dass der die „Notbremse“ zog. Diese Katastrophe besitzt schon beinahe tragische Züge, wenn man die Vorgeschichte reflektiert: Bernd Goldmann hatte im vergangenen Jahr schon zwei andere, international absolut hochkarätig besetzte Ausstellungen geplant und in die Wege geleitet: eine mit dem Bildhauer Barry Flanagan, eine andere mit Alfred Hrdlicka. Beide Projekte waren am Tod der eingeladenen Protagonisten gescheitert.

„Nijinski Hare on Anvil Point" von Barry Flanagan (Foto: notlikecalvin)

Ich fasse zusammen: Da hat ein Kunstmanager einer kleinen oberfränkischen Provinzstadt in einem Jahr drei nach internationalen Maßstäben erstklassige Großplastiken-Ausstellungen bis ins Detail (Logistik, Versicherungen, Finanzierung, Präsentation etc.) durchgeplant, und alle Objekte wären in der Tat nach Bamberg gekommen, wenn, ja wenn ihm nicht höhere (Tod) oder niedrigere (Pfusch des Partners) Umstände ins Gehege gekommen wären, die er – auch nach Darstellung der SZ – wirklich nicht hatte beeinflussen können. Und nun – um zur oben angesprochenen Irritation zurückzukommen – titelt die Zeitung: „Zum Abschied eine schlechte Figur“. Verwirrt frage ich mich: Liegt hier eine sprachlogisch missglückte Formulierung vor oder geht es um Rufschädigung? Der zweite Teil des Artikels deutet in letztere Richtung. Da würden „manche Bamberger“ (ich frage mich, welche bitte konkret?) Goldmann vorwerfen, er habe die anderen in der Villa Concordia vertretenen Künstler vernachlässigt, weil seine „Leidenschaft für Skulpturen so enorm sei“. Welch ein Unfug! Aus guter Kenntnis des Veranstaltungsprogramms der Villa Concordia über die letzten Jahre hinweg weiß ich, wie sehr sich der Chef des Künstlerhauses weit über die Region hinaus ins Zeug gelegt hat, um ,seinen’ Künstlern Präsentationschancen zu eröffnen. Seine Honorarprofessur der hiesigen Universität hat er übrigens nicht auf Antrag der Kunstgeschichte für seine Großplastiken-Ausstellungen erhalten, sondern für seine literaturwissenschaftlichen Leistungen und sein Engagement für das literarische Leben in Bamberg!

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