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Posts Tagged ‘Bamberger Hain’

Eichelhäher ,hasst‘ Waldkauz

Kürzlich machte uns ein ziemliches Spektakel im Bamberger Hain auf einen Waldkauz aufmerksam. Zwei Eichelhäher flogen mit lautem Geschrei immer wieder eine Baumhöhle an, um einen Waldkauz zu nerven. Der ornithologische Fachbegriff für dieses Verhalten ist ,hassen‘. Sein Sinn und evolutionärer Nutzeffekt liegt darin, möglichen Beutevögel die Präsenz eines Jägers anzuzeigen, damit dessen Erfolgsaussichten zu minimieren und ihn – wenn möglich – gar zum Abzug zu bewegen. Wir beobachteten das Spektakel vielleicht über 20 Minuten lang; nach und nach kam der Kauz aus seiner Höhle ans Tageslicht, wo er sich dann, von den Scheinangriffen der Häher demonstrativ unbeeindruckt, einem wohligen Bad in der Frühlingssonne hinzugeben schien. Zwei Tage später kamen wir mit Mitarbeitern des Gartenamts ins Gespräch, die uns von einem toten Waldkauz erzählten, den sie einige Zeit zuvor gefunden hatten. Offenbar hatte es ein Brutpaar gegeben. Nach der Theorie der Arbeiter war jener Kauz Eichhörnchen zum Opfer gefallen, als er in deren Nist- bzw. Schlafhöhle eingedrungen war. Ich verstehe vom Verhalten von Waldkäuzen viel zu wenig, als dass ich diese Theorie bewerten könnte. Immerhin durchstreift auch regelmäßig ein Bussard-Pärchen den Park, so dass sich mir die Frage stellt, ob es mit diesen ein Gefecht gegeben haben könnte. Das Verhaltensmuster des Hassens wurde übrigens früher für die Vogeljagd nutzbar gemacht, indem man eine Eule ankettete, um so ,hassende‘ Kleinvögel anzulocken und auf diese oder jene Art zu erbeuten.

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Eichelhäher ,hasst‘ Waldkauz, © hpecker

Eulen im Allgemeinen, Waldkäuze als relativ häufige Eulenvögel im Speziellen spielen in Kulturgeschichte und Literatur eine große, und zwar durchaus ambivalente Rolle als Weisheitsvögel, Hexen- und Hurenvögel, Sterbebegleiter, Unglücksboten, aber auch Glücks- und Ruhmverkünder. In neuer Zeit wurden Eulen durch Harry Potters Zaubereule sehr populär. Eulen sind zu extremen sinnlichen Leistungen fähig, die wiederum Anlass für viele Sagen, Legenden und Mythen gegeben haben. Der Waldkauz (Strix aluco) wird ca. 40 cm groß, seine Flügelspannweite kann bis zu über einen Meter messen. Sein klagender Ruf ist aus Gespenster- und Horrorfilmen nicht wegzudenken.

 

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Gefiederte Winzlinge: Sommer- und Wintergoldhähnchen

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Sommergoldhähnchen (Regulus ignicapillus) © hpecker

Die kleinsten Vögel Europas finden sich in der Familie der Goldhähnchen (Regulidae) zusammen, die sieben Arten umfasst. In Deutschland kommen davon die einander recht ähnelnden Sommer- und Wintergoldhähnchen vor, die man anhand des ausgeprägten Augenstreifs bei der Sommervariante aber doch schnell zu unterscheiden lernt. So klein sie sind (gerade einmal 9 cm lang und 4-7 g schwer), so verfressen sind sie doch, futtern sie Tag für Tag doch ihr eigenes Körpergewicht in Form winziger Spinnen und Raupen, von Läusen, Flöhen, Mückchen und – vor allem – Springschwänzen weg. In der Mauser oder während der Eiablage wird auch gerne mal die doppelte Portion verdrückt. Sommer- und Wintergoldhähnchen trifft man oft zusammen an; sie haben sich bei der Nahrungssuche so spezialisiert, dass sie sich nicht in die Quere kommen: während die eine Art Äste und Zweigen von oben her absucht, hält sich die andere an die Unterseite; die eine frisst möglich große Beutetiere (was sich gerade noch so verschlucken lässt), die andere das kleinste und feinste, was die Situation hergibt. So hält man es im gemischten Schwarm miteinander aus und erträgt auch mal überlappende Reviere. Sprachlich kann man sich auf super-hoher Tonlage einigermaßen verständigen, vermutlich besser als Oberbayern und Unterfranken zum Beispiel. Differenzen im Gesang verhindern aber zugleich – wiederum anders als bei Alt- und Beutebayern – eine Hybridisierung beider Arten. So könnte man noch 1000 weitere interessante Details zu den Goldhähnchen mitteilen: etwa dass Wintergoldhähnchen an Fichten gebunden sind, dass Männchen beider Arten bei der Balz lustige Imponier-Rituale aufführen wie das Aufspreizen ihres gold- bzw. orangefarbenen Scheitelgefieders zu einer prächtigen Irokese oder einen wilden Spiralflug um einzelstehende Fichten etc. Fazit: klein, aber oho! Und verfressen! Nebenstehende Fotos wurden vorgestern im Bamberger Hain aufgenommen. Zuvor habe ich übrigens Goldhähnchen noch nie bewusst wahrgenommen. Literarischer Bezug: Es gibt ein ,Goldhähnchen‘-Märchen von Ludwig Bechstein.

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Wintergoldhähnchen (Regulus regulus) © hpecker

Hörnchen wollte man sein!

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© hpecker

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© hpecker

 

Vögel im Bamberger Hain (Mitte Februar – 10. März 2014)

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Gartenbaumläufer (Certhia brachydactyla)
(c) hpecker

Man findet im Internet erstaunlich wenig Beobachtungsnotizen zu den Vogelbeständen in fränkischen Biotopen. Hier einmal eine Protokollnotiz, die Vogelfreunden eine Vorstellung davon geben kann, was sie zu dieser Jahreszeit im Bamberger Hainpark und auf den ihn umgebenden Gewässern erwarten dürfen. Es handelt sich um Laien-Beobachtungen, die allerdings überwiegend durch Fotografien dokumentiert sind.

1. Stockente, 2. Reiherente, 3. Mandarinente, 4. Kanadagans, 5. Graugans, 6. Höckerschwan, 7. Kormoran, 8. Haubentaucher, 9. Blässhuhn, 10. Teichhuhn, 11. Lachmöwe, 12. Buntspecht, 13. Mittelspecht, 14. Grünspecht, 15. Kleiber, 16. Gartenbaumläufer, 17. Haussperling, 18. Feldsperling, 19. Tauben (nicht differenziert), 20. Star, 21. Amsel, 22. Buchfink, 23. Bergfink, 24. Grünfink (nicht dokumentiert), 25. Rotkehlchen, 26. Kernbeißer, 27. Gimpel (=Dompfaff), 28. Kohlmeise, 29. Blaumeise, 30. Weidenmeise, 31. Schwanzmeise, 32. Zaunkönig (nicht dokumentiert), 33. Goldammer, 34. Eichelhäher, 35. Elster, 36. Rabenkrähe, 37. Mäusebussard.

Nachträge: 2. April (38./39. Sommer- und Wintergoldhähnchen, 40. Wacholderdrossel); 6. April (41. Waldkauz);

Pikus, der Waldspecht!

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Grünspecht im Bamberger Hain (Picus viridis)

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Buchfink (Fringilla coelebs, Männchen)

 Wenn Skatspieler ein Pik-Solo ansagen, berufen sie sich gerne auf ,Pikus, den Waldspecht‘. Den wenigsten wird dabei klar sein, dass der flotte Spruch eigentlich den Grünspecht (Picus viridis) herbeizitiert, heuer als ,Vogel des Jahres 2014‘ ganz besonders prominent. Während es im Bamberger Hain vor Mittelspechten nur so wimmelt, bekommt man ihre grünen Verwandten deutlich seltener zu Gesicht. Da Grünspechte auch weniger häufig ,trommeln‘ als die bunten Arten, muss man schon auf ihren laut lachenden Gesang achten, um ihnen näherzukommen. Grünspechte haben sich auf Ameisennahrung spezialisiert und treiben sich demzufolge häufig auf dem Boden herum – daher auch ihre Namen ,Erd- bzw. Grasspecht‘. Sie werden zwischen 30-36 cm lang und erreichen Spannweiten bis knapp über 50 cm. Leider saß unser Exemplar weit oben im Wipfel einer alten Buche, so dass das Foto mehr dokumentarischen Charakter hat. Bis zu Qualität des Buchfink-Fotos besteht damit noch durchaus Steigerungspotential. Grünspechte sind literarisch übrigens ebenso belegt (vgl. etwa ,Der grüne Heinrich‘ von G. Keller) wie Buchfinken, die dank ihrer mächtigen Gesangsstimme seit ewigen Zeiten beliebte Käfigvögel waren. Mit den Grünspechten haben Buchfinken übrigens noch etwas gemein: Beide Vögel gelten als Regenpropheten; die Franzosen wollen aus dem Ruf des Grünspechts sogar ein „plui, plui“ (bzw. „pleu, pleu“) heraushören.  (PS. Als SprachwissenschaftlerIn könnte man vielleicht – wenn es das nicht schon längst gibt!? – eine Abschlussarbeit über Kartenspiel-Phrasen bzw. ,Skatgeschwätz‘ andenken.)

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