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Posts Tagged ‘Bologna-Prozess’

Bulimie-Lernen

1. Januar 2011 1 Kommentar

Definition nach dem Duden-Wörterbuch der Szenesprachen:

„Lernen einer großen Stoffmenge am letzten Tag vor einer Klausur, so dass man diese höchstens in der Klausur noch weiß und danach absolut vergessen hat. Oder anders formuliert: reinfuttern, ausspucken, vergessen.“

http://iasag.blogspot.com/2009/11/es-herrscht-ein-bulimie-lernen.html

http://gentle-rocker.blog.de/2009/04/19/bulimie-lernen-uni-5969173/

Die ZEIT steht zum Bologna-Prozess generell sehr positiv, soll sie meinetwegen! Was mich an vielen einschlägigen Artikeln ärgert, sind die schlampig durchdachten Recherchen. Ein Beispiel beim folgenden Artikel: Hier wird als großartiger Erfolg gefeiert, „dass satte 78 Prozent der Uni-Bachelors ins Masterstudium übergehen“. Nichts gesagt wird dabei zu den Studien-Abbrechern während des Bachelor-Studiums; ich habe derzeit familiär bedingt gewisse Einblicke in andere Unis als Bamberg, wo wir uns (wahrscheinlich nicht nur) in der Germanistik allergrößte Mühe geben, Studienabbrüche zu vermeiden. So habe ich guten Grund zur Vermutung, dass etwa in der Bonner Geographie keine 50% der Studienanfänger zum Abschluss kommen (sollen). (Und Geographie ins nun auch nicht gerade als besonders „hartes“ Fach berühmt.) Dessen ungeachtet erzählt man den noch übrig gebliebenen, dass selbst von ihnen nur 25% ins Master-Studium vorrücken dürften …

http://www.zeit.de/2010/41/C-Bologna-Studenten

Die Leserkommentare zu diesem Artikel sind sehr aufschlussreich, etwa Nr. 12: „Also ich hab da andere Erfahrungswerte. In meinem Umfeld kenne ich keinen Bachelor Studenten, der nur 26 Std. fürs Studium aufwendet. 50-70 Std. sind realistischer. Ich habe als Diplomstudent, der nun auch im Bachelor studiert, den direkten Vergleich. Bulimielernen ist hier wirklich zutreffend. Eigenständiges Denken wird zunehmend abtrainiert.“

Auch beim folgenden ZEIT-Artikel sind wieder die Leserkommentare das eigentlich Interessante:

http://www.zeit.de/2009/35/C-Seitenhieb

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Der Bologna-Prozess zwischen Ideologie und Praxis

Perfektes corporate design? Gibt’s das?

Ja, da fallen mir doch gleich die Plattenbauten der alten DDR ein. Dann vielleicht auch noch Kleingartenanlagen der 70er Jahre mit gleichen Gartenhäuschen und vorgeschriebenen Baumhöhen und Nutzungsflächen. – Ich finde es schrecklich, wenn ausgerechnet in einer Universität versucht wird, alles Mögliche (z.B. die Wandfarben der Büros, die Briefköpfe der Professoren oder das Erscheinungsbild der Bücher einer universitätseigenen Presse) zu uniformieren. Kulturhistorisch lese ich entsprechende Vorgänge als Symbol für Gleichschaltungsbestrebungen im Sinne einer Wirtschaftstheorie, das Zurückstutzen von Individualität, Mündigkeit und Kreativität, die Machtergreifung der Bürokratie im Bildungswesen. Passt insgesamt prima zu Bologna!

Nachtrag zum weiteren Kontext: http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,675629,00.html

Vgl. zu Auswüchsen des Marketing-Ziels ,corporat identity‘ auch den hier kürzlich (17. Dez.) eingestellten Hinweis auf den Versuch einer Schweizer Großbank, die Unterwäsche (!) ihrer Mitarbeiterinnen zu definieren.

Beatles verkehrt: You say hello I say goodbye …

24. März 2010 Kommentare aus

Während sich Kasachstan als 47. Mitgliedsstaat dem Bologna-Prozess angeschlossen hat, der – zumindest nach Meinung der meisten davon unmittelbar betroffenen – von Anfang an so rund läuft wie ein Fahrrad mit einer Acht im Hinterreifen, machen sich die Spitzenuniversitäten Baden-Württembergs aus dem Staube – und dies offenbar mit ausdrücklichem Segen des Wissenschaftsministers Peter Frankenberg, eines leidenschaftlichen Reformers der ersten Stunde. Hochinteressant ist die Erkenntnis des Ministers, dass Universitäten, Fachhochschulen, Duale Hochschulen sowie Kunst- und Musikhochschulen ganz unterschiedliche Studienmodelle brauchen. (Ich würde hinzufügen: Ein Gleiches gilt auch für verschiedene wissenschaftliche Disziplinen und sogar für einzelne Studiengänge eines Faches, die aber unterschiedliche Berufsziele anvisieren.). Ich empfehle in diesem Zusammenhang die Lektüre des FAZ-Artikels „Flexible Studiengänge. Baden-Württemberg überarbeitet die Bachelor-Modelle und geht dabei neue Wege“ vom 23.3.2010 (S.8). So werden im ,Ländle’ wohl vielerorts vierjährige Bachelor-Studiengänge eingeführt, angedacht sind außerdem fächerübergreifende Eingangsphasen (z.B. ein geisteswissenschaftliches ,College-Jahr’ in Konstanz), die Rückkehr zur Abschlussprüfung neben den Modulprüfungen und anderes (m.E. überwiegend Sinnvolle) mehr.

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