Archiv

Posts Tagged ‘Orchideen’

Hummel-Ragwurz (Ophrys holoserica)

Ein netter Expertentipp brachte uns auf die Fährte der Hummel-Ragwurz, die wir auf diese Weise Anfang der Woche zum ersten Mal auf einer dornröschenartig verzauberten Waldlichtung östlich von Buttenheim (genauer darf ich mich nicht ausdrücken) zu Gesicht bekamen. Dort gab es nur ein einziges, allerdings sehr schönes und typisches Exemplar zu sehen, das alle Merkmale (z.B. die trapezförmige flache Lippe mit dem auffälligen Anhängsel an der Spitze) dieser Wildorchidee in feiner Ausprägung zeigt. In der Nähe standen noch eine „Biene“ und einige – allerdings verblühte – „Fliegen“ herum. Gängigere Orchideen lasse ich außen vor.

SONY DSC

Ophrys holoserica
© Viola Ecker

Zugegebener Weise nicht die Schönste: das Kriechende Netzblatt (Goodyera repens)

 Blühende Orchideen wird man hierzulande in freier Wildbahn nicht mehr viele antreffen (die Herbst-Drehwurz, deren Bekanntschaft wir allerdings noch nicht machen konnten, steht als Ausnahme bis in den Oktober hinein in Blüte), aber beschäftigen darf man sich mit ihnen nach wie vor: Nun werden allmählich die Fotos vom Sommer sortiert, bestimmt und ausgewertet, man tauscht sich mit anderen Orchideen-Freunden über Funde und Standorte aus und tüftelt an der Fototechnik. Dass besonders letzteres notwendig ist, zeigt unser technisch suboptimales Foto einer Goodyera repens, das wir am 11. 8. 2010 im westlichen Karwendel aufgenommen haben. Seitdem haben wir zwar in ein Makro investiert und auch ein paar Bücher über Aufnahmetechnik gelesen, sind aber keiner Goodyera mehr begegnet, um die Probe aufs Exempel zu machen. Nach wie vor gilt, dass weiße Winzlinge im schattigen Moos nur schwer auf die Platte zu bannen sind, speziell wenn man – puristisch gesonnen – gerne auf nachträgliche Bildbearbeitungen verzichtet.

Das Kriechende Netzblatt gehört mit 10 bis maximal 30 cm Wuchshöhe zu den kleinen Vertretern der Orchideengewächse, seine Blüten sind winzig, spornlos, weiß bis grünlich, dazu – wie die Stängel – drüsig behaart. Sie machen wirklich nicht viel her, ein Wunder dass sie überhaupt Bestäuber finden! Allerdings stoßen sie auf ihren üblichen Standorten – Nadelwälder auf mäßig trockenen, moderreichen sauren Böden (unser Karwendelfund wäre da bodenmäßig bei Gelegenheit zu überprüfen!) – auch auf keine große Konkurrenz im Schönheitswettbewerb. Die Pflanze ist inzwischen recht selten geworden, kann sich aber, wo sie denn vorkommt, dank ihrer Ausläufer teppichartig ausbreiten.

Ihre Samen sind besonders klein, ihr Gewicht liegt im Bereich von zwei Millionstel Gramm. Wie bei anderen Orchideen auch enthalten sie keine Nährstoffe für den Keimling, der auf die Gemeinschaft mit einem Pilz angewiesen ist, um sich zu entwickeln.

Malaxis monophyllos (Einblättrige Weichwurz, Einblattorchis)

Wer kennt ihn nicht, den schönen Poesiealbum-Vers vom bescheidenen Veilchen:

Sei wie das Veilchen im Moose,
sittsam, bescheiden und rein
und nicht wie die stolze Rose,
die stets nur bewundert will sein.

Im Vergleich zur Einblättrigen Weichwurz muss unser bescheidenes Veilchen freilich als aufgedonnerte Diva bezeichnet werden, womit über diese Orchidee eigentlich schon alles gesagt ist: man übersieht sie einfach, klein wie sie ist und grün wie sie blüht. Man stolpert im allgemeinen auch nicht darüber, weil sie A) dem Fuß keinen Widerstand bietet und sich B) eh kaum ein Fuß zu ihren Standorten verläuft – staunassen Arealen an schattigen Wegen und feuchten Straßenböschungen. Mein Exemplar wuchs übrigens auf einem schwammartig nassen alpinen Flachdach zwischen Gras, Flechten, Moosen und prächtigen Breitblättrigen Fingerwurzen, die mich von Weitem angelockt und zur Besteigung der Bedachung (Kletter-Schwierigkeitsgrad: 1-) bewogen hatten.

http://www.fotocommunity.de/pc/pc/display/21846624

Wir sollten uns alle dafür einsetzen, dieses Pflänzlein zur „Orchidee des Jahres“ zu küren! (Und wenn es diesen Titel  schon besitzt, dann eben noch einmal und erst recht! Gerade als Bamberger, die eben ihr Basketball-Double verteidigt haben …)

Epipactis atrorubens (Rotbraune Stendelwurz)

25. Juni 2011 1 Kommentar

Nebenstehendes Prachtexemplar einer Rotbraunen Stendelwurz ist mir schon vor drei Wochen vors Objektiv gelaufen – reichlich früh im Jahr, kann man Vertreter dieser Art doch bis in den August hinein auf hellen trockenen Waldstandorten antreffen. In den Alpen klettert die Orchidee auch leicht einmal bis auf 2400 m. Für unsere Anglisten: Ins Englische übersetzt man ihren Namen mit „dark red“ bzw. „royal helleborine“. Zu ihrer deutschen Bezeichnung kam die Stendelwurz nicht ganz zufällig, wie bei Grimmelshausen im zweiten Teil des Wunderbarlichen Vogel-Nests nachzulesen ist, wo der Protagonist, selber von seiner sexuellen Potenz überrascht, darüber nachdenkt, ob ihm sein Apotheker eventuell heimlich eine Prise Satyrion verabreicht haben könnte. Unter den Kräuterhexen bzw. Apothekern der Zeit war die Stendelwurz (aufgrund der Form ihrer Wurzelknollen) ein heißer Kandidat für die Rohstoffbasis jenes berüchtigten Aphrodisiakums. So schreibt Hieronymus Bock, dass die Mannsleute diese Wurzel tapfer „in der speiß brauchen oder Latwergen darauß lassen machen“ sollten, um die menschliche Gattung „zu erhalten vnd zu mehren“.

Dessen ungeachtet rate ich dringend davon ab, Bocks Ratschlag auch noch heutzutage zu folgen: Scheint doch einerseits der Fortbestand unserer Spezies nicht akut gefährdet und stehen andererseits die Stendelwurzen unter strengem Naturschutz!

Cephalanthera rubra (Rotes Waldvögelein)

Wächst in Lichtzonen von Wäldern (Buchen, Kiefern) auf kalkreichem Grund. Das unterirdische Rhizom treibt bis zu 75 cm hohe Sprosse, die bis über 20, meist rosa-violett gefärbte unverwechselbare Blüten tragen können. In Mittel- und Süddeutschland weit verbreitet, dennoch hierzulande nicht ganz leicht zu finden. Recht häufig dagegen im Raum der nördlichen Kalkalpen. (Blütezeit: Juni/Juli.)

Dactylorhiza fuchsii (Fuchs’ Fingerwurz bzw. Fuchssches Knabenkraut)

Diese schöne Orchidee (Foto vom Isarufer nördlich des Kochelsees, Pfingsten) wurde nach dem Tübinger Medizinprofessor Leonhard Fuchs (1501-1566) benannt, der sich als Verfasser vieler medizinischer Werke und Kräuterbücher einen Namen gemacht hatte. Sie wächst auf feuchten wie trockenen Wiesen, an lichten Waldhängen, in aufgelassenen Steinbrüchen und sogar an Straßenrändern, kommt also ziemlich gut mit den vielfältigen Standortbedingungen einer modernen Kulturlandschaft zurecht und ist entsprechend weit verbreitet. Die schlanke, aber kräftige Pflanze kann unter optimalen Umständen bis zu 90 cm Höhe erreichen. Ihre oberen, am Stängel ansitzenden Laubblätter, die den Blütenstand nicht erreichen, besitzen eine lanzettliche Form und sind meist kräftig schwarz gefleckt. Typisch für die Dactylorhiza fuchsii sind ihre farblich sehr variablen weißen bis rosafarbenen Blüten mit zart gezeichneten Lippen (Schleifen-, Strich- oder Tigermuster). Der Sporn ist zylindrisch ausgeprägt, schief abwärts gerichtet und etwas kürzer als der Fruchtknoten; die Lippe tief dreilappig, ihr Mittellappen dabei weit vorgestreckt. Unteres Laubblatt zungenförmig und stumpf.

Zu Leonhart Fuchs, dem „Vater der Pflanzenkunde“ und einem Hauptvertreter des Neo-Galenismus:

http://de.wikipedia.org/wiki/Leonhart_Fuchs

PS.: Und wer war „Galenos“? http://de.wikipedia.org/wiki/Galenos

Ophrys apifera (Bienen-Ragwurz)

Endlich haben wir nach längerer Suche – obwohl diese Orchidee laut Fachliteratur gar nicht so selten ist – auch einmal eine Bienen-Ragwurz in der nördlichen Fränkischen Schweiz entdecken können. Die schöne Blüte mit den rosa Sepalen (die bei Varianten auch ins Purpurne spielen können) und der fein gezeichneten, dreilappigen mit kurzen behaarten Höckern bestückten Lippe ist unverkennbar. An einem bis zu 35 cm hohen Blütenstängel können bis zu 9 Blüten sitzen, wobei sich vielblütige Pflanzen bei der Entwicklung ihrer Samenkapseln leicht überfordern, so dass sie absterben. Die Bienen-Ragwurz wächst auf trocken-warmen Kalkmagerrasen, vorzüglich in Baden-Württemberg und Thüringen; derzeit besteht keine akute Gefährdung, sogar eine gewisse Ausbreitungstendenz nach Norden. (Damit haben wir von den heimischen Ophrys-Arten bislang alle außer der Hummel-Ragwurz in freier Natur auffinden können …)

%d Bloggern gefällt das: