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Posts Tagged ‘plagiat’

Plagiatejagd als Hobby? Eine eher nicht so gute (ursprünglich stand hier „bescheuerte“) Idee!

25. Februar 2011 3 Kommentare

(Dieser Vorspann in Klammern als Reaktion auf einen kritischen Kommentar, der mir vorhin – Ende Juni 2011 – vor Augen gekommen ist und diesem Beitrag anhängt: Ein Blog lebt von relativ spontan,  pointiert und nicht selten auch „unausgewogen“ formulierten Positionen. Das darf wohl so sein und gilt natürlich auch grundsätzlich für die Erwiderungen auf bestimmte Artikel. Mein Blog zieht nicht allzu viele Kommentare auf sich und in der Regel lasse ich diese dann auch einfach unkommentiert stehen. Von dieser Praxis abweichend, habe ich heute, nach Lektüre des erhaltenen Kommentars, aber auch nach einigen Wochen zwischenzeitlicher Erfahrung mit dem Plagiatsdiskurs in Universität und Öffentlichkeit, die Überschrift meines ursprünglichen Beitrags korrigiert, um einer inhaltlich konträren Position Respekt zu zollen. Wie man sieht, lasse ich meine alten Argumente stehen, räume aber hier vorab gerne ein, dass die verhandelte Problematik durchaus eine dialektische Betrachtung verdient. Es ist in der Tat bitter, miterleben zu müssen, wenn Plagiatoren ungestraft gute Bewertungen, Stipendien und berufliche Positionen einfahren, die ehrlichen Arbeitern gleichzeitig versagt bleiben. Ich versichere, dass ich den Kampf gegen derartige Betrugsversuche in meinem Amt durchaus führe, und zwar um so intensiver, um je mehr es jeweils geht. Dessen ungeachtet würde ich meinen Studierenden und wissenschaftlichen Mitarbeitern abraten (vom „Verbieten“ kann natürlich in diesem Zusammenhang keine Rede sein!), ihre Kommilitonen, Kollegen (und Konkurenten) oder auch irgendwelche prominente Titelträger zu überprüfen; jedenfalls nicht außerhalb ihrer normalen Rezensions- oder Kommissionstätigkeiten. Ich glaube nicht,  dass die große Gewinn- und Verlustrechnung – für die Gesellschaft wie auch den seelischen Haushalt des einzelnen Plagiate-Sheriffs – auf diese Weise letztlich günstiger zu gestalten ist, dass so „die Welt“ besser gemacht werden kann. Nun folgt der ursprüngliche Artikel:)

Lese gerade, dass einige Leute bei Guttenberg auf den Geschmack gekommen sind und nun die Doktorarbeiten aller möglichen Promis auf Plagiate hin überprüfen wollen. Ich finde diese Idee selten dämlich (um stärkere Ausdrücke zu vermeiden), und zwar aus vielen Gründen. Hier nur ein paar in aller Kürze angerissen:

1. Ich formulier’s mal so: Welches Hobby will heute jemand ausüben, der umständehalber keine Hexen mehr jagen darf, nicht zur Stasi kann, nicht mal bei einer Zeitarbeitsfirma einen Blockwart-Job bekommt und dem es emotional nur beschränkte Befriedigung verschafft, seine Nachbarn dabei zu filmen, wenn sie ihren Müll nicht korrekt trennen? Wo werden da wohl die Sympathien der Öffentlichkeit liegen, na?

2. Bei Guttenberg funktionierte die Sache als Skandal. Skandale zeichnen sich aber dadurch aus, dass sie Einzelfälle sind. Skandalisierung als Routine wird und kann nicht klappen. Ob etwas plagiiert ist oder nicht würde die Öffentlichkeit sehr bald überhaupt nicht mehr interessieren. (Literaturhinweis: Christian Schütze, Skandal. Eine Psychologie des Unerhörten.)

3. Würde man so eine Plattform installieren, könnte der „Dr.“ bald als Sicherheitsrisiko gelten. Will jemand Karriere machen, dann doch besser ohne Titel? Stelle ich in naher Zukunft noch jemanden in führender Position, z.B. als Minister oder Manager ein, dann doch bitte ohne die Gefahr, dass dieser „enttarnt“ oder kompromittiert wird und ein schlechtes Licht auf meinen Verein wirft. Akademischer Titel als Malus!?

4. Eine liberale Gesellschaft braucht eine Vertrauensbasis; wenn ich nicht an jeder Ecke eine Überwachungskamera will, für jeden Staatsdiener eine Überprüfung durch den Verfassungsschutz, jeden Polizisten mit Nacktscannern ausgerüstet etc. etc. muss ich auch gegen diese flächendeckenden Plag-Kontrollen sein, die dann sehr schnell auch unkontrolliert und von interessierten Gruppen betrieben würden: Hängst Du meinem was an, dann häng ich Deinem was an!

5.  Eine Hexenjagd auf Plagiatoren würde die ohnehin bestehende Intellektuellen-Feindlichkeit in unserer Gesellschaft gewaltig verstärken. M.E. ist es in dieser Hinsicht wirklich wichtig, dass möglichst viele Menschen promovieren (und so ein positives, identifikatorisches Verhältnis zum akademischen Betrieb aufbauen), die außerhalb der Wissenschaft im engeren Sinne tätig sind. Deren Doktorarbeiten sind vielleicht nicht immer Spitzenprodukte, müssen deshalb aber noch lange keine Plagiate sein und sollten auch nicht einem entsprechenden Generalverdacht ausgesetzt werden.

Fazit: Die pure Vorstellung der Verwandlung von anonymen Akademikern in eine Canettische „Hetzmeute“ weckt in mir Ekelgefühle. Dass kein Missverständnis aufkommt: ein nachgewiesenes Plagiat ist für mich eine Betrugs-Aktion und auch so zu ahnden, aber darüber hinaus sollen Wissenschaftler produktive wissenschaftliche und pädagogische Arbeit leisten, keine polizeiliche, und schon gar nicht als Freizeitbeschäftigung. Dass Plagiate im normalen Betrieb durch die etablierten Verfahren und oft genug durch den Zufall entdeckt und geahndet werden , genügt völlig und ist der Sache angemessen.

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,747785,00.html

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Plagiat, die zweite …

23. Februar 2011 1 Kommentar

Wenn Sie schon glauben plagiieren zu müssen, dann bitte intelligent! Hier die Anleitung zum perfekten Verbrechen:

http://www.fh-frankfurt.de/de/.media/~schimmel/plagiate_aktuell.pdf

Der Witz dabei ist, dass pefektes Plagiieren wesentlich mehr Arbeit macht, als eine vernünftige wissenschaftliche Arbeit gleich von Anfang an redlich zu verfassen. (Und nicht perfektes Plagiieren fliegt nun leider einmal leicht auf …)

Plagiat

Ich empfehle, sich in Anbetracht der derzeitigen öffentlichen Debatten einmal näher mit dem Begriff des „Plagiats“ auseinanderzusetzen. Einen guten Einstieg bietet die entsprechende Wikipedia-Seite:

http://de.wikipedia.org/wiki/Plagiat

Machen Sie sich klar, dass im wissenschaftlichen Kontext Plagiate als Betrugsversuche gewertet werden und nicht als Schülerstreiche („Schummelei“), Schlampereien oder „Fehler“ wie Verstöße gegen Rechtschreibung, Grammatik oder die vorgeschriebene Form (wie runde statt eckige Klammern bei Auslassungen im Zitat usw.).

Studierende, aber auch Außenstehende fragen mich derzeit oft, ob einem Professor bei sorgfältiger Korrektur einer wissenschaftlichen Leistung Plagiate nicht sofort auffallen müssten. Darauf kann ich nur antworten, dass ich meinen Studis, Doktoranden, Habilitanden grundsätzlich einen großen Vertrauensvorschuss entgegenbringe und sie nicht pauschal als potentielle ,Plagiatoren‘ analysiere und überprüfe. Bei geschicktem Plagiieren kannn man es also durchaus vermeiden, einen entsprechenden Anfangsverdacht zu erregen. Die Vertrauensbasis halte ich für ein wertvolles Gut; um so schlimmer sind Plagiate einzustufen, weil sie genau diese positive Basis eines guten Lehrer-Schüler-Verhältnisses untergraben.

Noch einen Schritt weitergedacht; der Position, man sollte jede wissenschaftliche Arbeit einer Prüfung durch Plagiats-Erkennungs-Software unterziehen, halte ich entgegen, dass es dann über kurz oder lang defensive Software-Angebote geben wird, die Plagiate intelligent verschleiern. An einem ,Rüstungswettlauf‘ dieser Art kann aber keinem Menschen gelegen sein, der wirklich pädagogisch interessiert ist. (Diese Position vertrete ich trotz Kenntnis der Schätzungen über den hohen Anteil von Plagiaten in Schulen und Hochschulen.)

Zur Vertiefung der Problematik:

http://www.f4.htw-berlin.de/~weberwu/papers/plagiat.shtml

http://plagiat.htw-berlin.de/

Plagiatsdebatte als Thema für Abschlussarbeit

9. März 2010 Kommentare aus

Möglicherweise hat jemand Lust, den „Fall Helene Hegemann“ (Die Zeit, Nr. 8, 18. Febr. 2010, Titelseite) wissenschaftlich aufzurollen. Details des Aufbaus und der Fragestellung könnten mit mir in einer Sprechstunde erörtert werden.

Vgl. zur ersten Orientierung: http://de.wikipedia.org/wiki/Helene_Hegemann

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