Die Eröffnung des Spiels

Am Beginn von Spielen herrscht zumeist ein hohes Erregungspotential, das alle Involvierten erfasst. Je nach Interpretation der Situation, nach dem Typus des Spiels und seiner Spieler erfährt die anfängliche Erregung eine kognitive Deutung und motiviert Folgehandlungen. Bei ,endlichen Spielen’ dienen die Eröffnungszüge dazu, Ressourcen und Handlungsspielräume des Gegners einzuschränken und den eigenen Operationen eine gute Basis zu verschaffen. Bei ,unendlichen Spielen’ stellt sich der Protagonist zumeist freiwillig, manchmal auch durch die Umstände gedrängt, einer offenen Zukunft, was ihn mit Neugier, Freude und/oder Angst erfüllt. Besonderes Augenmerk verdienen die rituellen Abläufe eines Spiels. Sie verweisen indirekt – bei Nichtfunktionieren auch direkt – auf jene Gefahren, die von Spielen drohen, die ihre Sphäre des „Als ob“ überschreiten und die Alltagswelt erfassen. Fiktionale Darstellungen interessieren sich zumeist für ungewöhnliche Spiele: für solche, die in die Sphäre des Ernstes entgleiten, unterwegs ihren Charakter verändern oder gar den Beteiligten erst nach und nach als Regeln unterworfenes Ausnahmegeschehen bewusst werden. Inszenierung, Ritualisierung, strategische Planung, Herausforderung, Verführung, Überrumpelung, Manipulation, Hineinstolpern sind typische Eröffnungsszenarien, wobei diese Liste aber sicher noch unvollständig ist. Aller Anfang ist schwer …

Thematisierte Gegenstände: Hooligans; Hahnenkämpfe nach Clifford Geertz (Deep plays), Th. Mann (Wie Jappe und Do Escobar sich prügelten), Fernando Arrabal (Hohe Türme trifft der Blitz), Schach, Alexander S. Puschkin (Pique Dame), Leopold von Sacher-Masoch (Venus im Pelz), Bertolt Brecht (Im Dickicht der Städte), Helmut Krausser (Schmerznovelle), Daniel Glattauer (Gut gegen Nordwind), Albert Sánchez Piñol (Pandora im Kongo), Matt Ruff (Fool on the Hill), Vincenzo Natali (Cube, Horrorfilm).

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