Flambierte Frauen und lustige Witwen. Literarische Inszenierungen eines sozialen Problemfelds. [Texte u.a. von Petronius, Goethe, Nestroy.]

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Der Aufsatz thematisiert weibliche Witwenschaft und analysiert hauptsächlich literarische Darstellungen von Witwen in fiktionaler Literatur. Dabei geht es nicht um die Skizzierung von Grundzügen europäischer Witwenschaft, sondern darum, anhand von drei exemplarischen Texten sichtbar zu machen, dass man sich dem Thema unter grundverschiedenen Perspektiven zuwenden kann: So etwa von der Interessenlage des toten Gatten und dessen Kindern her, dann aber auch von den Phantasien eines neuen Liebhabers aus oder gar aus Sicht der Witwe selber.

Alle diese Perspektiven haben bestimmte gesellschaftspolitische Implikationen, über die man nachdenken kann. Während das erst Modell eine bestimmte Erbfolgeregelung ideologisch absichert, unterstützt das zweite die expansive Bevölkerungspolitik eines Gemeinwesens. Das dritte aber reflektiert – womöglich schon in der ersten Hälfte des 19. Jhs. – den Prozess weiblicher Emanzipation. Ausgespart bleiben christliche und mittelalterliche Konzepte von Witwenschaft.

Stichworte: Arme und reiche, hübsche und hässliche, junge und alte Witwen; John Wayne als Schützer der Witwen in seinem (er agierte hier als Regisseur, Produzent und Hauptdarsteller!) Film The Alamo (1960); Lex Iulia et Papia; Heiratsanzeigen von Witwen in der SZ; Goethes Ballade Der Gott und die Bajadere; C. Velleius Paterculus: Römische Geschichte; Properz und Tibull: Liebeselegien; Petronius: Satyrica (Die Witwe von Ephesus); Nestroy: Der gefühlvolle Kerckermeister oder Adelheid die verfolgte Wittib (UA 1832); August von Kotzebue: Der Schutzgeist. Mehrere Illustrationen.