Gärten als Spiegel der Seele

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In den großen Erzählungen der Menschheit steht der gottgeschaffene Garten am Anfang. Doch bedurfte es eines langen Prozesses der Kulturentwicklung, bis die Aneignung der Natur so weit fortgeschritten war, daß in Gärten nicht nur Nützliches angebaut und gezüchtet, sondern Natur so gestaltet wurde, daß sie als ,schön empfunden werden konnte: den Sinnen erfreulich durch eine Harmonie von Formen, Farben, Tönen, Gerüchen und Geschmacksnuancen. Für die ästhetische Zurichtung der Natur zum Lustgarten bedurfte es erheblicher technischer und finanzieller Mittel, vor allem aber auch der Muße: für die Betrachtung, das Begehen und Erleben. Einmal erfunden, konnte der Garten in den Vorstellungen und Wunschprojektionen der Menschen zu dem uranfänglichen und verlorenen Paradies idealisiert werden. Praktisch alle Kulturkreise luden ihn mit Bedeutungen auf, welche die Sphäre des Botanischen, Gärtnerischen transzendierten: er wurde zum Zeichen der Vollkommenheit, einer gottgewollten oder auch nur herrschenden politischen Ordnung, zum Symbol der Bestimmung des Menschen, zur Allegorie der Unschuld etc. Gerade wegen der erstaunlich gleichen Elemente und Grundmuster sind die Differenzen und Veränderungen historisch und regional unterschiedlicher Gartengestaltungen von besonderem Interesse, zeugen sie doch von Funktionsunterschieden und Funktionswandel. Ein Barockgarten will anderes im Betrachter bewirken als ein mittelalterlicher Klostergarten oder ein Englischer Garten des 19. Jahrhunderts zeige mir deinen Garten und ich sage dir, wer du bist: Gärten sind Spiegel der Seele. Der Sammelband dokumentiert die Referate eines interdisziplinären wissenschaftlichen Symposions, das im Zisterzienserkloster Bronnbach im Taubertal stattgefunden hat.

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