Idyllik der Emanzipation und sanfte Katharsis. Zum Zusammenspiel von Genrekodes und sozialgeschichtlichen Rahmenbedingungen in den Idyllen des Johann Heinrich Voß.

Der Beitrag entwickelt am Exempel einiger Idyllen von Voss, die sowohl im Kontext der Gattungstradition als auch ihrer speziellen historischen Situation betrachtet werden, folgende These: Könnte es nicht sein, dass das Gemeinsame vieler – wenngleich wohl nicht aller – Idyllen in einer spezifischen Behandlung der Affektstruktur zu finden ist? Diese Besonderheit sollte aber gerade nicht in der konventionellen – ebenso banalen wie falschen – Zuschreibung gesucht werden, derzufolge Idyllen für ungetrübt-positive Emotionen zuständig seien. Statt dessen sei zu untersuchen, ob sich nicht in den meisten qualitativ für die Gattungsgeschichte bedeutsamen idyllischen Texten eine Tagträumen vergleichbare Affektregie der kontrollierten Zulassung von im Alltagsleben ausgeschlossenen Emotionen findet, wobei das Ziel dieser Dramaturgie immer wieder auf die ästhetische Entschärfung eines Konfliktpotentials hinausläuft; auf Abschwächung bzw. Besänftigung heftiger Emotionen durch ästhetische Distanzierungsverfahren: auf eine sanfte Form von Katharsis.

Für die Plausibilität diese Theser lassen sich einige Begründungen angeben, die in der oben bezeichneten Publikation nachzulesen sind.

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