Vom sprachlichen zum historischen Assoziationsraum. Ernst Jandls wien: heldenplatz.

Heutige Leser des Gedichts von Ernst Jandl verfügen nicht nur über Informationen und Perspektiven, die der österreichische Historikerstreit zur allgemeinen Kenntnis gebracht hat und die dann auch schon für Thomas Bernhards Heldenplatz-Drama den zeitgenössischen Rezeptionskontext konstituierten, sondern auch über die historische Erfahrung der deutsch-deutschen Wiedervereinigung von 1989/90 und ihrer Folgen. Vor diesem Hintergrund sollte es möglich sein, Jandls Text nicht nur als sprachartistischen Kommentar zu einem mehr oder minder entrückten historischen Ereignis (dessen Genese im Beitrag detailliert geschildert wird) oder zur prinzipiellen Disposition von Massen zu lesen, sich Verführern hinzugeben, sondern ihn mit Einsichten über das Wesen moderner Nationen und ihrer Kommunikationsrituale zu verbinden, die u.a. Peter Sloterdijk in seinem Essay Der starke Grund, zusammen zu sein analysiert hat.

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