Poetisierung als Kritik. Stefan Heyms Neugestaltung der Erzählung vom Ewigen Juden.

Diese Arbeit untersucht anhand Stefan Heyms Roman Ahasver, wie Mythos, Legende und Geschichte in Poesie verwandelt und als solche wieder in unserer empirischen Realität wirksam werden können. Sie legt dar, wie Heym den Mythos zum Mittel der Aufklärung wendet und es als solches gebraucht, wie er durch Zitat und dargestellte Diskurskonfrontation nochmals ein ,Werk’ ermöglicht, das es dem Leser erlaubt, die weltüberlagernden und –vernichtenden Diskurse in einem aktiven Lektüreprozess ästhetisch zu erfahren.

Im Rahmen der Auseinandersetzung mit den Quellen des Romans umreißt die Untersuchung die Stofftradition der Sage vom Ewigen Juden, theologische und literarische Implikate der Teufelsfigur sowie Martin Luthers Verhältnis zu den Juden. Die Beziehung von Literatur und Mythos wird im Lichte historischer und aktueller Theorien diskutiert. Der Interpretation des Romans folgt eine Erörterung seines gesellschaftlichen und philosophischen Gegenwartsbezugs sowie eine Einordnung in die zeitgenössische deutsche Literatur.

Die vorliegende Arbeit (war zu ihrer Zeit!) die erste eingehende Untersuchung des Romans Ahasver und zugleich eine der wenigen Studien zum Werk Stefan Heyms. Die Korrektur des damaligen wissenschaftlichen Heym-Bildes war ihr implizites Anliegen.

Im Anhang findet sich die faksimilierte Wiedergabe einer frühen Quelle der Sage vom Ewigen Juden (Kurtze Beschreibung und Erzehlung von einem Juden / mit Namen Ahaßverus […] Gedruckt zu Bautzen / bey Wolffgang Suchnach / Anno 1602.).