Überleben in einem Land, das ein Weib ist. Geschlechtsideologische Imaginationen des ,Deutschen’ bei Thea von Harbou und Fritz Lang.

Der Beitrag beschäftigt sich mit kulturellen Repräsentationen nationaler Identität. Dabei untersucht er vor allem genderspezifische Konnotationen in den Konstruktionen des ,Eigenen’ und ,Fremden’ im Bereich trivialer künstlerischer Ausdrucksformen. Dieses Qualitätsverdiktes ungeachtet geht er von der Hypothese aus, dass im Unterschied zur politischen, publizistischen und erzieherischen Bearbeitung des kollektiven Bewusstseins der ,Nation’ in der Kunst grundsätzlich mit subtileren und komplizierteren Vermittlungsprozessen zwischen ideologisch opportunen Aussagen und eigenen Systemregeln zu rechnen ist. Er belegt, dass „the ways one becomes a woman or a man are much more complex than in simple opposition to members of the other sex.“ (Ruth Roach Pierson / Nupur Chaudhuri, eds.: Nation, Empire, Colony, Historicizing Gender and Race. Bloomington, Indianapolis 1998, S. 2) Statt dessen wird die Vielschichtigkeit und Kontextgebundenheit – beispielsweise an Klassen und Rassen – von Genderzuschreibungen sichtbar gemacht.

Stichworte: Thea von Harbou: Das indische Grabmal (1917); Fritz Langs Verfilmung dieses Stoffs: Der Tiger von Eschnapur (1959); Abenteuer-Romane; Sir John Retcliffe; literarische Indien-Rezeption; Orientalismus.